Wehrdienst
Wehrdienst
»Besser einander beschimpfen als einander beschießen.«
Winston Churchill (engl. Politiker, 30.11.1874-24.01.1965)
Irgendwann bekommt jeder Jugendliche einen Brief vom Kreiswehrersatzamt, meist mit Rechtschreibfehlern, in dem steht, dass man sich zur Musterung vorzustellen hat.
Ich bekam den ersten Brief schon mit 16, damals schickte ich eine Schulbescheinigung zurück und wurde erstmal zurückgestellt, wegen „fortgeschrittener Ausbildung“. Ich bezweifle, dass die Leute, denen ich das schickte, wussten was das ist.
Jedenfalls bekamen alle meiner Schulfreunde den Brief, sich zur Musterung vorzustellen, um den 18. Geburtstag herum. Ich nicht.
Das lag daran, dass das Kreiswehrersatzamt genau zu dieser Zeit von Essen nach Düsseldorf zog, bzw. weil sich der Zuständigkeitsbereich änderte.
Im Dezember, ein halbes Jahr nach meinem 18. Geburtstag, rief ich also beim Kreiswehrersatzamt an und fragte, wann ich gemustert werde. Schließlich muss man sich ja auch rechtzeitig um einen Zivildienstplatz kümmern.
Ich wurde als für einen Termin zwei Wochen später vorgemerkt, bekam auch ein paar Tage später noch einen Brief und machte mich also am 16. Dezember auf den Weg nach Düsseldorf. Die Musterung selbst lief eigentlich ab wie immer, bis auf den ersten Satz des Arztes beim Blick auf meine Krankenakte.
„Also, damit werden Sie höchstens T3.“
Wie Recht er doch hatte. So lautete nach den Untersuchungen das Urteil „Wehrdiensttauglich mit Einschränkungen“. Und das hatte zur Folge, dass ich weder Zivil- noch Wehrdienst leisten musste bzw. durfte. Denn das Ausmaß dieses Tauglichkeitsgrades wurde mir erst später bewusst. Ich bin nicht geeignet für die Bundeswehr. Für die Armee Deutschlands. Für einen Haufen rumballernder, durch Schlamm kriechende Alkoholvernichtungsmaschinen.
Fast jeder hatte mindestens Tauglichkeitsgrad zwei, ich nicht. Ein Freund von mir wurde sogar T5, aber der hat auch ein Loch im Herzen und da ist das dann auch nachzuvollziehen.
Ein anderer Freund von mir hat sich entschlossen, den Wehrdienst abzuleisten. Als er mir erzählte, was er da so macht, da fragte ich mich erneut, wieso ich DAFÜR nicht geeignet bin. Ist irgendein Mensch ohne körperliche Behinderung (geistige Behinderung sehe ich nicht als Grund, den Wehrdienst nicht leisten zu können) nicht dazu im Stande, nachts über ein Feld zu laufen? Sieht es irgendwer als Problem an, sein Bett selbst zu machen und seinen Spind aufzuräumen? Kann irgendjemand nicht Schuhe putzen? Gibt es Menschen, die zum Gruße nicht die eigene Stirn per Handkantenschlag spalten können?
In Deutschland ausgemustert zu werden ist schon ziemlich nahe am gesellschaftlichen Abgrund... Wenn man mal bedenkt, dass die Leute, die einen als untauglich betrachten, für die Bundeswehr allesamt besser geeignet sind... Naja, vielleicht haben die Damen und Herren aber auch nur gemerkt, dass ich nicht bereit bin, grundlos auf andere Menschen zu schießen...
P.S.: Bei „EMP“ kann man ein T-Shirt mit folgendem Aufdruck bestellen:
„Join the Army / travel around / see many places / meet interesting people / and kill them”
Oder für Freunde der direkteren Botschaft:
„ Fuck the army!“
