San Martino - River Island

Dec 12, 2004 at 00:36 o\clock

Vorbereitung auf das Leben

Vorbereitung auf das Leben

 

»An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser

                Charlie Chaplin (engl. Schauspieler, 16.04.1889-25.12.1977)

 

 


Zur Wahl des Themas möchte ich sagen, dass ich mich hier ein wenig über die letzten Meter der Schulzeit auslasse, da ich eben diese gerade erst mit dem Abitur abgeschlossen habe. Abitur klingt ganz nett, mehr scheint es mir aber nicht zu bringen. Und die „Verniedlichung“, die da „Abi“ lautet, klingt auch eher nach asozialem Slang denn nach hipper Umgangssprache.

Während der Pubertät kommt es ja bei einigen Schülern (bei fast allen, bis auf Streber) zu einer etwas ablehnenden Haltung gegen die Schule. Die Frage, wofür man das denn mal brauchen kann, stellt sich in jeder Unterrichtsstunde, auch wenn es Sport ist und man laufen insofern gut gebrauchen kann, als es doch die normale Fortbewegungsweise des Menschen ist (bei den Schülern aus der Raucherecke machen wir hier mal eine Ausnahme, die leben ja sowieso mehr nach dem Motto „You must not walk, fly!“). Auf die Frage der Schüler, wozu das eben Gelernte...nein, das eben Gehörte später mal gut ist, antwortet traditionsgemäß der Lehrer mit der wunderbar spezifischen Aussage: „ Du glaubst gar nicht, wie oft du das noch mal gebrauchen kannst!“ woraufhin der Schüler Beispiele verlangt. Der Lehrer antwortet dann meistens mit

„ Wenn du zum Beispiel Lehrer werden willst...“ oder benutzt im Fach Biologie die Zukunftsvision „ Wenn du Bio studieren möchtest.“ während  im Chemiesaal häufig „ Wenn du bei Bayer anfangen willst.“ als Antwort eingesetzt wird.

Was mich besonders an der Schule faszinierte (und worauf ich 13 Jahre wartete) war das selbst gesteckte Ziel, „die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten“. Ich habe in den drei Jahren Oberstufe knapp 60 Stunden Unterricht versäumt. Diese Vorbereitung muss genau in den Stunden geschehen sein, in denen ich krank im Bett lag oder den Arzt besuchte.

So war für mich letztendlich nur klar, dass ich auf keinen Fall Lehrer werde, da ich meiner Meinung nach dafür zu viele Gehirnzellen besitze (gemessen am Beispiel einiger meiner Lehrer. Die, die jungen Menschen, die heute Lehrer werden wollen sind ja meistens motiviert und nicht wie die freiwilligen Lehrer kurz nach dem Krieg, die sich einfach mal gemeldet haben, weil ihnen langweilig war).

Dazu muss ich sagen, dass nicht alle meiner Lehrer dumme Idioten waren, allerdings hatte ich eine Lehrerin, die der Meinung war, man müsse türkische Schüler schlechter behandeln als deutsche Schüler, was mir aufgrund einer gesunden politischen Einstellung missfiel (ich weiß, „gesund“ und „Politik“ widerspricht sich natürlich, aber ich hielt „vernünftig“ für noch unpassender.

Kommen wir zurück zu dem eigentlichen Kritikpunkt: Die Vorbereitung auf’s Leben. Ich bin der Ansicht, dass mir nur derjenige etwas über’s Leben beibringen kann, der etwas davon versteht und schon genug erlebt hat, um mir hilfreiche Ratschläge zu geben.

Das Oberhaupt meiner Schule, der Direktor also, verfügt leider nicht über die nötige Qualifikation und auch die eben angesprochene Nazi-Lehrerin hat sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Menschen mit einer anderen Religion oder Kultur als negativ oder schlechter zu bezeichnen ist in der heutigen Zeit nicht gerade ein geeignetes Mittel, um Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. Und ein Direktor, der mit Mitte 50 noch zu hause bei Mami und Papi wohnt, sollte noch mal ganz lange überlegen, ob er bei seiner Berufswahl wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat.


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