San Martino - River Island

Dec 6, 2004 at 00:21 o\clock

Meine Mutter

Meine Mutter

 

»Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen

gegen die Jugend

                Mark Twain (amerik. Schriftsteller, 30.11.1835-21.04.1910)

 

 


Ich habe ja nicht nur einen Bruder, nein, ich habe auch eine Mutter. Zum Glück. Nicht auszudenken, was sonst aus mir geworden wäre. Ohne die Ratschläge meiner Mutter. Zum Beispiel, wenn ich irgendwo hin fahre. Dann kommt immer

„ Pass’ schön auf! Fahr vorsichtig!“

Was sonst? Glaubt meine Mutter ernsthaft, ich würde mir bei Tempo 100 denken „ Ach, komm, geht auch ohne hinzugucken.“ Wer ist so bescheuert? Okay, der Typ aus Amerika mit dem Tempomat im Wohnmobil. Kauft sich ein Wohnmobil, schaltet den Tempomat ein und geht nach hinten in den Wohnbereich um einen Kaffee zu kochen, weil er dachte, der Tempomat lenkt das Auto auch. Aber der hält natürlich nur die Geschwindigkeit. Naja.

Der beste Satz aber ist „ Und ras’ nicht so!“ Was soll das „so“? Kann man auf verschiedene Arten rasen? Kann man auch langsam rasen? Oder vielleicht ästhetisch? „ Ras’ nicht so ästhetisch!“, das würde ich mir auch zu Herzen nehmen. Das ist auch was handfestes.

Aber ganz ehrlich, mittlerweile habe ich mich schon sehr daran gewöhnt. An diesen Dialog.

„ Mama, ich fahr’ dann jetzt!“

„ Gut, bis nachher. Und fahr’ vorsichtig!“

„ Ja.“

„ Und ras’ nicht so!“

„ Ja.“

Ganz ehrlich, als meine Mutter einmal nur „ Tschüß!“ sagte, da bin ich 200 Meter gefahren und hab während der 200 Meter darüber nachgedacht, warum sie dieses Mal den Satz weggelassen hat.

Nach den 200 Metern war ich so verunsichert, da hab’ ich den Wagen rechts ’rangefahren, bin ausgestiegen und hab’ mir ein Taxi gerufen.

 

Viel wichtiger als diese Situation ist aber, wenn meine Mutter ihre Gefühle auf mich überträgt. Wenn sie im Sommer abends draußen sitzt und es langsam kühler wird und sie friert, dann werde ich automatisch aufgefordert, mir einen Pulli zu holen. Auch wenn ich schwitze wie blöde, wenn meine Mutter friert, dann ist mir auch kalt. Denkt sie.

Umgekehrt geht das aber auch. Als mir im Winter mal kalt war, weil die Heizung in meinem Zimmer nicht mehr volle Leistung brachte, da hab ich mir einen Pullover und dazu eine Trainingsjacke angezogen und meine Mutter fragte, warum ich denn so eine „ Bullenhitze“ (woher kommt dieser Ausdruck?) in meinem Zimmer hätte. Da war dann das gleiche Problem, wie im Sommer. Mir musste warm sein, weil sie halt nicht fror. Naja, was soll’s.

Aber man soll ja eigentlich nicht über seine Eltern meckern. Die meinen es ja nur gut. Klar. Deswegen hoffen sie ja auch, „ dass du das alles mal wiederkriegst!“.

Danke, Mama.


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