Mein Bruder
Mein Bruder
»Neiiin!«
Homer Simpson (Zeichentrickfigur)
Mein Bruder ist ein Phänomen. Mal ganz davon abgesehen, wie viel Haarspray er in seiner Frisur unterbringen kann, auch in seinen Verhaltensweisen findet man so schnell kein vergleichbares Subjekt.
Am auffälligsten ist dabei das Verhalten, wenn er etwas von mir möchte. Zum Beispiel kommt er häufig in mein Zimmer (ich darf sein Zimmer nie betreten, es sei denn, ich soll ihm bei etwas helfen, Hausaufgaben oder so) und fragt, ob er eine meiner Hosen anziehen darf. Dazu muss ich sagen, dass er früher einfach die Sachen aus meinem Schrank genommen hat, wenn ich nicht da war.
Jedenfalls fragt er dann, ob er „die eine Hose da“ haben kann. Meistens, wenn ich nicht gerade dasselbe Kleidungsstück anziehen möchte, erlaube ich dies.
In diesem Fall nimmt er die Hose aus dem Schrank und geht. Allerdings bedeutet das nicht, dass er die Hose abends oder am nächsten Morgen zurückbringt. Er zieht sie so lange an, bis sie entweder dreckig oder kaputt ist oder ich ihn danach frage.
Wenn er sie zurückbringt (kommt ja eher selten vor) ist er allerdings nicht imstande, die Schranktür zu öffnen, um die Hose wieder zurückzulegen. Besonders interessant an dieser scheinbaren Unfähigkeit, den Schrank zu öffnen, ist die Tatsache, dass er diese Hürde problemlos nimmt, wenn er die Hose aus dem Schrank nimmt. Allerdings schafft er das nicht, wenn er sie zurück legen soll. Sehr seltsam, das Ganze.
Allerdings funktioniert das auch mit anderen Gegenständen. So leiht er sich beispielsweise häufig DVDs von mir, die ich mir dann in seinem Zimmer zusammensammeln muss. Wie das geht? Nun, eine DVD besteht üblicherweise aus Hülle und DVD. Meist liegt die Hülle aufgeklappt unter irgendwelchen Bergen von Chipstüten und Ähnlichem, während die DVD entweder im Laufwerk des Computers steckt (er hat keinen DVD-Player und sieht sie daher über den PC) oder neben der Hülle unter denselben Chipstüten steckt.
Dasselbe Szenario spielt sich ab, wenn er sich mein Telefon leiht. Das Besondere an dieser Situation ist, dass er selbst über ein Telefon und einen eigenen Telefonanschluss verfügt.
Jeder andere würde diesen Anschluss nutzen, allerdings hat er an seinem Apparat mal etwas verstellt oder zerstört (bei ihm liegt das oft dicht beieinander) und hat daher zwischen den Möglichkeiten reparieren und ausleihen natürlich den bequemeren Weg gewählt. [1]
Ein Gespräch mit meiner Mutter brachte mir übrigens den Kommentar ein, ich sollte mich nicht so aufregen, sie müssten erst einmal die Bedienungsanleitung suchen.
Falls ich mal eine Bedienungsanleitung nicht zur Hand habe (meistens brauch ich die nur, weil mein Bruder eines meiner elektronischen Besitztümer beschädigte), wird mir nicht selten mit Enterbung gedroht.
Aber wie meine Mutter mir beim letzten Mal, als ich mein Lieblingstrikot (75 €, vom Taschengeld bezahlt und aus den USA importieren lassen) achtlos zerknüllt in seinem Schrank gefunden habe, sagte:
„ Die jüngeren Geschwister dürfen immer mehr als die älteren!“
Auf den Gedanken, dass sie da mal eine Ausnahme sein könnte und ihre Kinder gleich behandeln könnte, kam sie allerdings nicht.
Schade eigentlich...
Hab mir jetzt mal Broschüren der örtlichen Seniorenheime schicken lassen.
