Lektüre einer Generation
»Erst durch das Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.«
Wilhelm Raabe (dt. Dichter, 1831-1910)
Wieso unterscheidet sich die Lektüre meiner Generation so eklatant voneinander? Und warum bin ich eine Kreuzung, die alles liest, was man halt so liest?
Ich lese wirklich alles. Sogar die IKEA-Kataloge. Die lese ich. Ich sehe mir nicht nur die Abbildungen an, ich lese alles, was dabei steht. Höhe, Breite, Tiefe, Preis, Material, einfach alles. Aber in meinem selbstgebauten Zeitschriftensammler (da ich nicht Schreiner werden kann, ist die Schreinerei nun mein übermäßig ausgeübtes Hobby) finden sich zur Zeit folgende Zeitschriften.
1. BASKET
Die Basket ist ein Basketballmagazin, erscheint einmal monatlich und berichtet über die NBA (nordamerikanische Basketball-Liga) und die deutsche Basketball-Bundesliga.
2. FIVE
Auch ein Basketballmagazin (ich bin halt Basketballfan, andere haben den Kicker), erscheint auch einmal monatlich, ist im Sprachgebrauch moderner als die Basket und überhaupt viel fresher. Gibt’s auch noch nicht soo lange.
3. Der Spiegel
Neuigkeiten aus Deutschland, der großen weiten Welt, Kultur, Technik usw. Alles halt. Erscheint wöchentlich.
4. Focus
Das erste Focus-Exemplar kaufte ich mir wegen der Kolumne von Harald Schmidt. Das diese im Focus erscheint, bemerkte ich während einer Nachtschicht bei der Deutschen Post, als mir ein Focus-Exemplar in die Hände fiel (Das war auch der einzige Vorteil des Jobs: Den Focus in der Nacht vor dem Erscheinen lesen). Aber der restliche Inhalt macht auch was her, im Prinzip ein Magazin wie der Spiegel, allerdings 30 Cent günstiger (2,70 €). Erscheint ebenfalls wöchentlich.
5. SFT
Die Abkürzung steht für Spiele, Filme, Technik. Damit sind Video-Spiele, DVD-Highlights und die modernsten Handys, Flachbildfernseher, Computer und so ziemlich alles andere gemeint, was Männer toll finden und Frauen verabscheuen. Die kaufen dann Zeitschriften mit Modetipps oder Frisuren, die sie dann mit »Das sieht ja soooo toll aus. Aber die kann das auch tragen, die hat ja die Figur dazu... Mir steht das ja nicht« kommentieren. Manchmal antwortet die beste Freundin dann »Natürlich steht dir das! Probier doch mal aus!«
Aber das gehört nicht hierher. Eigentlich gehört das nirgendwohin, höchstens verboten.
Das Highlight des mit 2,99 € günstigen Magazins ist aber die beiliegende DVD mit einem Hollywood-Film in voller Länge sowie einer Vollversion eines PC-Spiels.
6. ADAC-Clubmagazin
Damit verhält es sich wie mit den Newslettern der Provider, bei denen man seine E-Mail-Adresse beantragt hat. Man kriegt das Ding halt und dann liegt’s da rum. Da ich dafür bezahle, werfe ich es auch nicht weg. Vielleicht kann man ja auch mal jemanden damit beeindrucken und es stört mich ja auch nicht.
Des weiteren lese ich selbstverständlich die Tageszeitung, manchmal greife ich auch zu Comics oder zum kostenlosen Magazin von McDonald’s, dessen Titel mir gar nicht bekannt ist. Das mit den Kinofilm-Berichten und CD-Kritiken.
Also praktisch alles, was junge Menschen so lesen.
Ansonsten bin ich einer der letzten, die Bücher lesen. Gerne auch von Kabarettisten oder Humor-Geschichten.
Als absolute Ausnahme im Bereich Lektüre ist Andre zu nennen, er hat bei sich im Bücherregal diverse Exemplare von Karl Marx stehen.
Christopher hingegen die Biografie der Band »Die Ärzte«.
Und trotzdem gehören wir alle zu der Generation, die durch den Satz »Schock’ deine Eltern – lies ein Buch!« von den Fernsehern und Computern vor die Bücher gezerrt werden sollte.
Die Erfolgsquote war wohl nicht so hoch wie erhofft.