Flashback from „Fight Club“
Flashback from „Fight Club“
»Liebe: nur ein schmutziger Trick der Natur, um das
Fortbestehen der Menschheit zu garantieren.«
William Somerset Maugham (engl. Schriftsteller, 25.01.1874-16.12.1965)
In meinem persönlichen Favoriten, was Spielfilme angeht, sagte Brad Pitt in der Rolle des Tyler Durden einmal:
„ Wir sind eine Generation von Männern, die von Frauen großgezogen wurden. Ich frage mich, ob noch eine Frau die Antwort auf unsere Fragen ist.“
Vor einiger Zeit fragt meine Mutter mich immer mal wieder, warum ich keine Freundin habe. Ob’s da nicht eine gibt, die mir gefällt. Und so. Ich glaube, sie hat nur Angst, ich werde homosexuell. Oder gar schwul.
Allerdings muss ich da zu meiner Verteidigung sagen: Nein! Allein schon wegen des biologischen Blickwinkels. Gleichgeschlechtliche Beziehung bringt ja nichts für die Menschheit.
Und mir wurde jetzt klar, warum ich keine Freundin hatte. Ich wurde auch von Frauen großgezogen.
Meine Mutter und meine Oma kümmerten sich meistens um mich und als Kind spielte ich bis zum Alter von 7 Jahren sehr häufig mit Mädchen. Da wächst man natürlich mit einem anderen Verhältnis zum weiblichen Geschlecht auf: Man lernt Respekt. Frauen sind für viele Männer ja nur ein Zeitvertreib. Und nur deshalb so begehrenswert, weil sie früher auch nur mit anderen Jungs und Autos gespielt haben. Ich nicht. Ich hatte ein Sticker-Album und ein Puppenhaus. Allerdings ein männliches, von meinem Opa selbstgebaut und in kräftigen Farben gestrichen, nicht in zarten Pastelltönen angemalt. Tim Taylor hätte respektvoll gegrunzt.
Und jetzt wird’s pädagogisch: Was man als Kind nicht hatte, will man doch als Jugendlicher bzw. junger Erwachsener umso mehr. Bei den anderen Jungs sind das eben die Mädchen, bei mir Videospiele und Wrestling. Hauptsächlich. Grundsätzlich bin ich natürlich nicht abgeneigt gegen Frauen. Hab ja jetzt auch ’ne Freundin. Seitdem ist mein Zimmer auch immer viel ordentlicher...
Aber ich konnte (und könnte bestimmt immer noch nicht) auf Parties oder ähnlichem spontan eine Beziehung aufbauen, die lediglich darauf basiert, wie der Partner an dem Abend aussieht. Da muss man weiter denken. Wie sieht sie zum Beispiel aus, wenn sie mit Grippe im Bett liegt? Oder mit knallroter Nase ihren Schnupfen bekämpft?
Wenn man sich das mehrere Male fragt, dann erkennt man, dass auch innere Werte zählen. Ich weiß, das klingt bescheuert. Aber es ist doch so. Eine Beziehung dient ja nicht nur dazu, seinen Partner anzugucken. Man will sich ja auch miteinander unterhalten oder auch mal etwas zusammen unternehmen. Da sind auch gemeinsame Interessen wichtig. Und die erkennt man nun mal nicht, wenn man in einem stickigen Raum mit zuckenden Lichtern und lauter Musik den Rachenraum des Gegenübers mit Hilfe seiner eigenen Zunge erkundet. Wer das doch kann, der sollte natürlich dabei bleiben. Aber meinen Beobachtungen zufolge ist diese Strategie bei Personen in meinem Alter bisher nicht sehr erfolgreich gewesen.
Langfristiges Kennen lernen ist demnach die bessere Alternative. Also ruhig mal nicht besaufen, sondern reden. Und zuhören. Damit erreicht man viel mehr. Sofern man es denn will.
Aber um noch mal alle zu beruhigen: Auch ich habe das Ziel, die Menschheit zu erhalten. Aber nicht frühzeitig und übermäßig. Hab ja auch noch ein bisschen Zeit, oder?
Eben!
P.S.: Für Theologen ein weiteres Zitat aus „Fight Club“:
„ Unser Ebenbild von Gott waren unsere Väter. Unsere Väter haben uns verlassen. Was sagt dir das über Gott?“
