Einkaufen mit Mutter
»Eine Frau kauft immer irgend etwas.«
Publius Ovidius Naso alias Ovid (röm. Dichter, 43 v.Chr. - 18 n.Chr.)
Am ersten Montag im neuen Jahr schlug meine Mutter mir und meiner Freundin vor, nach Essen zu fahren, um bei IKEA einzukaufen. Selbstverständlich bin ich Ideen dieser Art als Einrichtungs-Junkie nicht abgeneigt und so machten wir uns also auf den Weg.
Der erwartete Stau auf der Autobahn blieb aus, das erste Problem kam erst auf dem Parkplatz von IKEA auf uns zu. Schließlich fanden gerade die „Knut-Tage“ statt, irgendeine Super-Sonder-Spezial-Aktion mit tollen Preisen.
Wir fanden letztendlich einen Parkplatz auf dem dritten Parkdeck und betraten das Einrichtungsparadies. Wider Erwarten gab es trotz überfülltem Parkplatz kein Gedränge. So verlief der Einkauf eigentlich recht unspektakulär, von den ständigen Durchsagen »XY möchte bitte im Småland abgeholt werden! « mal abgesehen.
Mein persönliches Highlight war der Auftritt zweier Jugendlicher, ca. 17 Jahre alt. Ich habe nie zuvor einen Menschen erlebt, der in einem Einrichtungshaus (bietet also Möbel an) derart überrascht feststellte:
»Ey guck ma da! Tische!!!«
Die Reaktion des zweiten war aber auch nicht schlecht:
»Ey, voll geil! Tische!!!«
In solchen Momenten wundert man sich auch nicht mehr über die Ergebnisse der PISA-Studie. Ich bin einfach weitergegangen.
Der Einkauf verlief wie jeder Einkauf bei IKEA. Zwischendurch sind Freundin und/oder Mutter mal kurz weg, nur um mit einer 100er-Packung Teelichter wieder aufzutauchen, oder um Unmengen an Gläsern heranzuschleppen.
Als ich mich zum Kauf zweier Klemmleuchten für meinen Schreibtisch entschloss, erntete ich ein vorwurfsvolles
»Was willst du denn damit? Du hast doch eine Lampe.«
Für alle Frauen, die gerade nicht verstehen, was das Seltsame an der Situation ist: Wir hatten selbstverständlich auch Gläser und zwar mehr als genug. Wobei die neuen wirklich schöner sind...
Auf dem Rückweg nach hause sagte ich zwei Mal »Vorsicht!«, als andere Verkehrsteilnehmer rücksichtslos durch den Straßenverkehr rollten. Meine Mutter meinte, sie sei auf meine Kommentare nicht angewiesen.
Bei der dritten Situation (meine Mutter kam dem Bordstein bedrohlich nahe, schwieg ich) wurde das ungeplante Verlassen der Fahrbahn nur durch ein ruckartiges Herumreißen des Lenkrads verhindert.
Als sei das noch nicht genug, schlug meine Mutter plötzlich noch vor, schnell noch ein anderes »super-tolles« Einrichtungshaus zu besuchen, »wo wir schon mal hier sind«.
Kurz hinter der Eingangstür (eine Drehtür, auf dem Weg nach draußen hätte meine Mutter fast noch eine Ehrenrunde gedreht, hätte ich nicht gefragt, wohin sie wolle) lagen Wohndecken aus. Diese Fleece-Planen, in allen vorstellbaren Größen, Farben und Mustern.
Nachdem meine Mutter sich innerhalb weniger Sekunden für zwei dieser Decken begeisterte, überlegte sie schließlich eine halbe Stunde lang, welche sie denn nun nehmen solle, wog ab, ob sie sich lieber die günstigere oder die mit dem schöneren Muster aussucht. Letztendlich entschied sie sich, doch keine zu kaufen (»Eigentlich brauch’ ich ja keine.«). Aus Protest erwarb ich eine dieser »weichen Kuscheldecken«...
P.S.: Meine Freundin kaufte bei IKEA übrigens nur eine Lampe (eigentlich schenkte meine Mutter ihr die Lampe zu Weihnachten) und Bilderrahmen. »Wow!« sagen da viele Männer, »sollte meine auch mal machen.«
Ich kann alle beruhigen. Sie war zwei Wochen vorher schon dort und hat zugeschlagen... ganz normales Verhalten also.