San Martino - River Island

Dec 3, 2004 at 00:17 o\clock

Biologie-Unterricht

Biologie-Unterricht

 

»Für mich gibt es Wichtigeres im Leben als die Schule

                Mark Twain (amerik. Schriftsteller, 30.11.1835-21.04.1910)

 

 


Der Biologie-Unterricht war stets das absolute Highlight des Stundeplans. Zu Beginn meiner Gymnasiums-Laufbahn (in der Grundschule hieß das noch Sachkunde und war wesentlich interessanter) war die Lehrerin noch in Ordnung. Im wesentlichen Unterschied zu meiner letzten Biolehrerin kannte sich die erste auch in der Geschichte gut aus. Dazu später mehr.

Zwischendurch hatte ich auch noch ein paar andere Lehrer, eine Weile hatte ich sogar bei demselben Lehrer Biologie und Sport. Als ich ihn einmal im One-on-One (sprich: 1-gegen-1) beim Basketball besiegt hatte, gab er mir zur Belohnung eine glatte 6 in Bio. War aber relativ egal, hab mich noch auf eine 5 gerettet und damit die Versetzung geschafft.

Die nächste Lehrerin war eine ruhige und zurückhaltende Frau, was dazu führte, dass wir nur gelegentlich zum Bio-Unterricht erschienen. Es gab weder Arbeiten noch Tests und ich habe nur in der letzten Stunde mitgearbeitet. Da meinte sie nämlich, eine Prüfung machen zu müssen, damit sie mir noch eine 4 geben konnte. Glücklicherweise waren die fehlenden Beschriftungen des Modells, welches sie per Projektor an die Wand warf, auf der Zeichnung im Buch gut zu erkennen.

Die Lehrerin, die mir von allen Bio-Lehrern am meisten im Gedächtnis blieb, ist die, die ich in der Oberstufe hatte. Und ich möchte dazu sagen, dass ich Biologie nur deshalb gewählt habe, weil ich mich zwischen Chemie, Physik und Biologie entscheiden musste. Und da ich Chemie überhaupt nicht konnte und Physik auch nur mit Ach und Krach hinter mich gebracht hatte, wählte ich schließlich Biologie.

Das größte Problem war nicht der Unterrichtsstoff, sondern eben die Lehrerin. Sie hat in den zwei Jahren, in denen ich bei ihr Unterricht hatte, nicht einen Satz gesagt, ohne vorher in ihr Biologie-Buch zu sehen. Dieses Buch hieß Linder.

Der Linder wurde bei uns im Biologie-Unterricht eingesetzt. Ich hab mich im Gegenzug in Bio weit weniger eingesetzt. Manchmal war ich noch nicht einmal da. War sowieso kein Unterschied zu den Stunden, in denen ich anwesend war. Kapiert habe ich sowieso nichts und ich muss sagen, dass ich’s gar nicht erst versucht habe. Biologie hat mich nie besonders interessiert. Gut, Ökologie fand ich schon einigermaßen interessant, aber Genetik und so fand ich langweilig. Wer sich nur mit DNA und irgendwelchen Helixformen beschäftigt, der wählt auch die NPD. Bei der Einstellung meiner Bio-Lehrerin liegt die Vermutung nahe, dass sie schon dabei war, als es noch die NSDAP gab. Die hatte auch noch die Sprüche von damals drauf. Und immer schön davon erzählt, wenn wir mal ein Problem hatten. Früher sei das ja alles schlimmer gewesen. So Krieg und danach die Zeit war ja besonders hart und so. Das sah man ihr auch an. Anscheinend hat sie die Ideologie Hitlers bis heute nicht vergessen. Im Gegensatz zu den Vererbungslehren. Aber sie ist ja auch keine richtige Biolehrerin. Während ihres Studiums hat sie Bio nur so nebenbei mal belegt. Aber als sie dann Lehrerin war, brauchte man eine Biolehrerin und sie hat das dann übernommen.

Sie unterrichtet übrigens auch Religion. Lustig war es immer, wenn sie aus tiefster Überzeugung in der zweiten Stunde erklärte, das ein Leben aus der Verschmelzung des weiblichen und des männlichen Zellkerns entsteht und dann in der siebten Stunde vehement behauptete, der Mensch würde von Gott aus Ackerboden gemacht... In den Momenten fragt man sich, ob man nicht doch ein ruhiges Leben als Biolehrer führen will...


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