San Martino - River Island

Dec 10, 2004 at 00:34 o\clock

BILD – Bald Ist’s Linguistisches Debakel

BILD – Bald Ist’s Linguistisches Debakel

 

»Das Schreibenlernen, das begannst du früh schon zu betreiben;
und doch, obwohl du schreiben kannst, kannst du bis heut nicht ‘schreiben’.
«

Heinz Erhardt (dt. Schauspieler/Humorist, 1909-1979)

 

 


In der BILD-Zeitung lassen sich tagtäglich eine Vielzahl journalistischer Ergüsse finden, denen es an Seriosität fehlt.

Besonders interessant sind die Bezeichnungen für Personen, über die berichtet wird. Nehmen wir zum Beispiel Angelos Charisteas. Ein Fußballer, unter Vertrag bei Werder Bremen und auch griechischer Nationalspieler.

Wie fußballinteressierte Menschen wissen, schoss er das Siegtor im EM-Finale gegen Portugal und sorgte damit für den EM-Titel für die Griechen.

Die BILD war entweder zu blöde, um den Namen Charisteas zu schreiben oder fand es höllisch lustig, den Stürmer als „Gyros-Bomber“ zu bezeichnen.

Käme irgendjemand auf die Idee, einen deutschen Abwehrspieler „Eisbein-Libero“ zu nennen? Wohl kaum. Hört sich ja auch scheiße an.

Aber die BILD findet für jeden einen Spitznamen. Da wird aus Britney Spears im Zusammenhang mit Alkoholexzessen schnell mal „Spritney“, aus dem Fußballverein Borussia Dortmund nach einer Niederlagenserie „Borussia Doofmund“ und aus der Tennisspielerin Maria Sharapova „Maria Sharapower“.

Und jedes Mal, wenn ein neuer Politiker in ein Amt gewählt wird oder irgendein Newcomer in Sport, Film oder Musik vorgestellt wird, beleuchtet man nicht die Fähigkeiten der Person sondern Aussehen oder Sexualleben (Beispiele: Paolo Guerrero, Stürmer vom FC Bayern München. Schlagzeile:

„ Das Geheimnis seiner Rasta-Zöpfe“ oder Condoleeza Rice als neue US-Außenministerin. Schlagzeile: „ Warum hat sie keinen Mann?“). Das ist sowieso die größte Gabe der BILD-Reporter: In jeder Geschichte wird irgendwo ein sexueller Aufhänger gefunden. Da kann ein Schweinelaster verunglücken und die Tiere bestialisch zerquetscht werden, da wird nicht auf das Schicksal der Tiere hingewiesen, sondern auf das hübsche Mädchen, das beobachten musste, wie die Tiere qualvoll zwischen LKW und Straße zerfetzt wurden.

Drei Wochen später wird die Story fortgesetzt mit der Schlagzeile „Das Schweinchen-Mädchen: Wie sie den Schock verkraftet“.

Sauerei.


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