San Martino - River Island

Dec 7, 2004 at 00:27 o\clock

American holidays in Germany

American holidays in Germany

 

»Ich bin zu alt für so ’ne Scheiße

                Danny Glover (amerik. Schauspieler)

 

 


Deutschland ist ja in Bezug auf Feiertage relativ blass, was kreative Dekoration angeht. Hier gibt es Dekoration zu Ostern, Weihnachten und vielleicht mal am Geburtstag. Stellenweise treten auch vereinzelt Dekorationen zum Thema Herbst oder in noch weniger Fällen zu Sankt Martin. Aber das ist schon sehr selten.

Viel interessanter ist allerdings, dass eine Menge Geschäfte trotzdem zu jeder Möglichkeit, ganz dem Trend in den USA folgend, Dekorationen anbieten. Mittlerweile wurde ja fast jeder Feiertag der USA übernommen, bis auf den „Independence Day“, aber das wäre wohl auch kein Problem, denn wer interessiert sich schon für die Geschichte der USA. Oder überhaupt... Immerhin wissen viele Jugendliche heute ja gar nicht, was sich hinter dem Wort „Holocaust“ überhaupt verbirgt und die DDR interessiert die 14- bis 18-jährigen nur noch insofern, dass sie anfangen, T-Shirts zu tragen, die das Logo diverser DDR-Firmen tragen (bis auf den Aufdruck „Stasi“ hab ich schon alles gesehen).

Aber zurück zum Thema. Ein Freund von mir hat sich vor wenigen Tagen dazu entschieden, eine kleine Halloween-Feier zu machen. Im Endeffekt ein DVD-Abend mit ein paar Freunden, mit Halloween-Snacks und Horror-Filmen. Dazu wollte er natürlich ein bisschen Deko haben und da ich immer gerne alles dekoriere, hat er mich nach Ideen gefragt.

Wir sind dann erstmal losgezogen, um in ein paar Geschäften nach Halloween-Dekoration zu suchen. Dabei stellten wir fest, dass der beste Zeitpunkt zur Organisation einer Halloween-Party irgendwo zwischen Mai und August liegt. Zu dem Zeitpunkt haben wir nämlich überall Kürbisse und Totenköpfe aus Plastik oder Pappmaché gesehen.

Anfang Oktober ist allerdings reichlich spät für so etwas. Selbst der Hinweis „Riiiiesiges Halloween-Angebot!“ im Schaufenster eines Ladens offenbart drei Kartons mit Lichterketten in Kürbisform.

Gut, man könnte annehmen, das läge daran, dass bereits alle Dekorationsartikel restlos ausverkauft wären.

Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass nur wenige Haushalte sich so der Dekorationslust hingeben wie die Amerikaner. Außerdem fiel uns auf, dass der größte Teil der Regale für eine andere Sorte von Dekorationsartikeln verwendet wurde.

Ich spreche hier nicht von Windlichtern oder Türkränzen für ein herbstliches Ambiente. Nein, ich rede von WEIHNACHTSARTIKELN. Weihnachten im Oktober. Gut, der frühe Vogel fängt den Wurm, aber wenn der zu früh dran ist, dann ist der Wurm noch recht klein und der Vogel wird nicht satt.

Was ich damit sagen will: Im Oktober ist die Weihnachtsstimmung noch nicht so ausgereift, dass man sich die Wohnung mit kleinen Nikoläusen und Engelchen voll stellt und jeden Tag Lebkuchen und Spekulatius in sich hineinstopft. Man überlegt auch noch nicht krampfhaft, wo der Christbaumständer steht.

Wir haben letztendlich vier Lampions mit Gruselmotiven, eine Kürbis-Girlande und Teelichter erworben. Außerdem fanden wir im Internet Rezepte, die laut Webmaster „voll der Horror“ seien.

Wem das nicht reicht bzw. wer etwas ausgefallene Dekoration möchte, der wird nicht umhin kommen, sich diverse Artikel aus den USA importieren zu lassen.

Wenn Karstadt sich mal vor Jahren Gedanken über ein jährliches Halloween-Sortiment bis Ende Oktober gemacht hätte...Opel wäre wohl die einzige Schlagzeile gewesen.

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