San Martino - River Island

Dec 19, 2004 at 00:39 o\clock

Einkaufen mit Mutter

Einkaufen mit Mutter

 

»Eine Frau kauft immer irgend etwas.«

Publius Ovidius Naso alias Ovid (röm. Dichter, 43 v.Chr. - 18 n.Chr.)

 

 

Am ersten Montag im neuen Jahr schlug meine Mutter mir und meiner Freundin vor, nach Essen zu fahren, um bei IKEA einzukaufen. Selbstverständlich bin ich Ideen dieser Art als Einrichtungs-Junkie nicht abgeneigt und so machten wir uns also auf den Weg.

Der erwartete Stau auf der Autobahn blieb aus, das erste Problem kam erst auf dem Parkplatz von IKEA auf uns zu. Schließlich fanden gerade die „Knut-Tage“ statt, irgendeine Super-Sonder-Spezial-Aktion mit tollen Preisen.

Wir fanden letztendlich einen Parkplatz auf dem dritten Parkdeck und betraten das Einrichtungsparadies. Wider Erwarten gab es trotz überfülltem Parkplatz kein Gedränge. So verlief der Einkauf eigentlich recht unspektakulär, von den ständigen Durchsagen »XY möchte bitte im Småland abgeholt werden! « mal abgesehen.

Mein persönliches Highlight war der Auftritt zweier Jugendlicher, ca. 17 Jahre alt. Ich habe nie zuvor einen Menschen erlebt, der in einem Einrichtungshaus (bietet also Möbel an) derart überrascht feststellte:

»Ey guck ma da! Tische!!!«

Die Reaktion des zweiten war aber auch nicht schlecht:
»Ey, voll geil! Tische!!!«

In solchen Momenten wundert man sich auch nicht mehr über die Ergebnisse der PISA-Studie. Ich bin einfach weitergegangen.

Der Einkauf verlief wie jeder Einkauf bei IKEA. Zwischendurch sind Freundin und/oder Mutter mal kurz weg, nur um mit einer 100er-Packung Teelichter wieder aufzutauchen, oder um Unmengen an Gläsern heranzuschleppen.

Als ich mich zum Kauf zweier Klemmleuchten für meinen Schreibtisch entschloss, erntete ich ein vorwurfsvolles

»Was willst du denn damit? Du hast doch eine Lampe.«

Für alle Frauen, die gerade nicht verstehen, was das Seltsame an der Situation ist: Wir hatten selbstverständlich auch Gläser und zwar mehr als genug. Wobei die neuen wirklich schöner sind...

Auf dem Rückweg nach hause sagte ich zwei Mal »Vorsicht!«, als andere Verkehrsteilnehmer rücksichtslos durch den Straßenverkehr rollten. Meine Mutter meinte, sie sei auf meine Kommentare nicht angewiesen.

Bei der dritten Situation (meine Mutter kam dem Bordstein bedrohlich nahe, schwieg ich) wurde das ungeplante Verlassen der Fahrbahn nur durch ein ruckartiges Herumreißen des Lenkrads verhindert.

Als sei das noch nicht genug, schlug meine Mutter plötzlich noch vor, schnell noch ein anderes »super-tolles« Einrichtungshaus zu besuchen, »wo wir schon mal hier sind«.

Kurz hinter der Eingangstür (eine Drehtür, auf dem Weg nach draußen hätte meine Mutter fast noch eine Ehrenrunde gedreht, hätte ich nicht gefragt, wohin sie wolle) lagen Wohndecken aus. Diese Fleece-Planen, in allen vorstellbaren Größen, Farben und Mustern.

Nachdem meine Mutter sich innerhalb weniger Sekunden für zwei dieser Decken begeisterte, überlegte sie schließlich eine halbe Stunde lang, welche sie denn nun nehmen solle, wog ab, ob sie sich lieber die günstigere oder die mit dem schöneren Muster aussucht. Letztendlich entschied sie sich, doch keine zu kaufen (»Eigentlich brauch’ ich ja keine.«). Aus Protest erwarb ich eine dieser »weichen Kuscheldecken«...

 

P.S.: Meine Freundin kaufte bei IKEA übrigens nur eine Lampe (eigentlich schenkte meine Mutter ihr die Lampe zu Weihnachten) und Bilderrahmen. »Wow!« sagen da viele Männer, »sollte meine auch mal machen.«

Ich kann alle beruhigen. Sie war zwei Wochen vorher schon dort und hat zugeschlagen... ganz normales Verhalten also.

Dec 18, 2004 at 00:41 o\clock

Entertainment

Entertainment

 

Entertainment ist beliebt

Auch weil es soviel davon gibt.

In allen gesellschaftlichen Klassen

Kann man sich entertainen lassen.

 

Doch vielen ist dabei nicht klar,

das ist gar nicht so wunderbar.

Dem Englischen man das Wort entreisst,

Doch weiß auch jeder, was es heißt?

 

Übersetzt man beide Teile -

Bei manchen dauert das ’ne Weile -

Da verliert des Wortes Glanz

Denselbigen in Kürze ganz.

 

Denn „enter“ heißt – da hilft kein Beten,

„eindringen“ oder auch „betreten“.

„tain“ hingegeben  gibt’s so nicht,

Wohl aber wenn man’s anders spricht.

 

Der Entertainer enter„taint“

Wobei man „taint“ als Wort erkennt.

Es bedeutet schlicht „Anlage“

Nur zu was, das ist die Frage.

 

Die Anlage ist meist verborgen

Nur um für Krankheiten zu sorgen.

Was Entertainment so bewirken kann:
Man legt sich Krankheiten an.

Dec 17, 2004 at 00:40 o\clock

Lektüre einer Generation

Lektüre einer Generation

 

»Erst durch das Lesen lernt man, wieviel man ungelesen lassen kann.«

Wilhelm Raabe (dt. Dichter, 1831-1910)

 

 

Wieso unterscheidet sich die Lektüre meiner Generation so eklatant voneinander? Und warum bin ich eine Kreuzung, die alles liest, was man halt so liest?

Ich lese wirklich alles. Sogar die IKEA-Kataloge. Die lese ich. Ich sehe mir nicht nur die Abbildungen an, ich lese alles, was dabei steht. Höhe, Breite, Tiefe, Preis, Material, einfach alles. Aber in meinem selbstgebauten Zeitschriftensammler (da ich nicht Schreiner werden kann, ist die Schreinerei nun mein übermäßig ausgeübtes Hobby) finden sich zur Zeit folgende Zeitschriften.

1.     BASKET

Die Basket ist ein Basketballmagazin, erscheint einmal monatlich und berichtet über die NBA (nordamerikanische Basketball-Liga) und die deutsche Basketball-Bundesliga.

2.     FIVE

Auch ein Basketballmagazin (ich bin halt Basketballfan, andere haben den Kicker), erscheint auch einmal monatlich, ist im Sprachgebrauch moderner als die Basket und überhaupt viel fresher. Gibt’s auch noch nicht soo lange.

3.     Der Spiegel

Neuigkeiten aus Deutschland, der großen weiten Welt, Kultur, Technik usw. Alles halt. Erscheint wöchentlich.

4.     Focus

Das erste Focus-Exemplar kaufte ich mir wegen der Kolumne von Harald Schmidt. Das diese im Focus erscheint, bemerkte ich während einer Nachtschicht bei der Deutschen Post, als mir ein Focus-Exemplar in die Hände fiel (Das war auch der einzige Vorteil des Jobs: Den Focus in der Nacht vor dem Erscheinen lesen). Aber der restliche Inhalt macht auch was her, im Prinzip ein Magazin wie der Spiegel, allerdings 30 Cent günstiger (2,70 €). Erscheint ebenfalls wöchentlich.

5.     SFT

Die Abkürzung steht für Spiele, Filme, Technik. Damit sind Video-Spiele, DVD-Highlights und die modernsten Handys, Flachbildfernseher, Computer und so ziemlich alles andere gemeint, was Männer toll finden und Frauen verabscheuen. Die kaufen dann Zeitschriften mit Modetipps oder Frisuren, die sie dann mit »Das sieht ja soooo toll aus. Aber die kann das auch tragen, die hat ja die Figur dazu... Mir steht das ja nicht« kommentieren. Manchmal antwortet die beste Freundin dann »Natürlich steht dir das! Probier doch mal aus!«

Aber das gehört nicht hierher. Eigentlich gehört das nirgendwohin, höchstens verboten.

Das Highlight des mit 2,99 € günstigen Magazins ist aber die beiliegende DVD mit einem Hollywood-Film in voller Länge sowie einer Vollversion eines PC-Spiels.

6.     ADAC-Clubmagazin

Damit verhält es sich wie mit den Newslettern der Provider, bei denen man seine E-Mail-Adresse beantragt hat. Man kriegt das Ding halt und dann liegt’s da rum. Da ich dafür bezahle, werfe ich es auch nicht weg. Vielleicht kann man ja auch mal jemanden damit beeindrucken und es stört mich ja auch nicht.

 

Des weiteren lese ich selbstverständlich die Tageszeitung, manchmal greife ich auch zu Comics oder zum kostenlosen Magazin von McDonald’s, dessen Titel mir gar nicht bekannt ist. Das mit den Kinofilm-Berichten und CD-Kritiken.

Also praktisch alles, was junge Menschen so lesen.

Ansonsten bin ich einer der letzten, die Bücher lesen. Gerne auch von Kabarettisten oder Humor-Geschichten.

Als absolute Ausnahme im Bereich Lektüre ist Andre zu nennen, er hat bei sich im Bücherregal diverse Exemplare von Karl Marx stehen.

Christopher hingegen die Biografie der Band »Die Ärzte«.

Und trotzdem gehören wir alle zu der Generation, die durch den Satz »Schock’ deine Eltern – lies ein Buch!« von den Fernsehern und Computern vor die Bücher gezerrt werden sollte.

Die Erfolgsquote war wohl nicht so hoch wie erhofft.

Dec 16, 2004 at 00:40 o\clock

Beruferaten

Beruferaten

 

»Das Wichtigste im Leben ist die Wahl des Berufes.

Der Zufall entscheidet darüber.«

Blaise Pascal (frz. Mathematiker u. Philosoph, 1623-1662)

 

 

Als wir damals in der Schule gezwungen wurden, der Dame vom Berufsinformationszentrum zuzuhören, um über die verschiedenen Berufe informiert zu werden und uns alsbald für einen davon zu entscheiden, ja, damals sah das Bild von mir und einigen meiner Freunde noch so aus:

Ich wollte unbedingt eine Schreinerlehre machen, um später ein Architekturstudium anzuschließen und letztendlich Innenarchitekt werden.

Andre hatte zuerst die Idee, Psychologe zu werden, später änderte sich das dann in Lehrer für Pädagogik und Sozialwissenschaften.

Sascha wollte zuerst ein Studium absolvieren, entschloss sich aber nach dem Praktikum bei der Telekom doch zu einer Ausbildung im technischen Bereich.

Christopher hatte schließlich den ehrgeizigsten Plan. Er wollte Arzt werden. Sein Vorsatz hielt sich auch am längsten, bis zu Beginn seines Zivildienstes im Krankenhaus.

Irgendwie kommt aber doch immer alles anders, als man denkt und so fing Andre im Herbst 2004 ein Studium für die Lehramtsfächer Latein und Philosophie an, Sascha wurde zum Wehrdienst zuerst nach Budel (Niederlande) und nach der Grundausbildung nach Köln geschickt. Jetzt hat er sich bei Siemens beworben, die genaue Berufsbezeichnung hab ich mir nicht merken können.

Christopher entschied sich für den Zivildienst und bekam eine Stelle im Krankenhaus. Jetzt zieht er statt des Medizinstudiums eine Ausbildung bei der Polizei in Betracht.

Ich wurde ausgemustert, fing ein Praktikum bei einem Schreiner an, bekam Ausschlag und schließlich den Ratschlag meines Hautarztes, einen Bürojob zu machen.

Also suchte ich nach einer Ausbildungsstelle als Mediengestalter. Die Chance, eine solche Stelle zu bekommen, ist in etwa genauso groß wie den Sechser im Lotto zu haben. Ohne einen Schein auszufüllen...

Nachdem mir also klar wurde, dass meine Zukunft ganz schnell überdacht werden sollte, entschied ich mich doch noch zu einem Studium.

Da ich mich selbst nicht als Lehrer sehe, blieb nur der Magisterstudiengang. Als Hauptfach war Anglistik gesetzt, schließlich das einzige Fach, in dem ich in der Schule annehmbare Leistungen zustande gebracht hatte.

Nun blieben noch zwei Fächer, die ich irgendwie belegen musste. Also entschied ich mich für Politikwissenschaften und Soziologie. Nicht aus purem Interesse (damals, heute ist das anders, vielleicht auch notgedrungen) und weil mein Berufsziel jetzt Journalist ist. Und da es immer Politik gibt, gibt’s darüber auch immer Berichterstattung.

Mal sehen, was draus wird. Falls natürlich die Politikverdrossenheit so groß wird, dass die Politik in der Presse keine Rolle mehr spielt, bin ich natürlich am... ja, doch schon am Arsch.

Allerdings wäre ich es als Mediengestalter oder Schreiner früher oder später auch.

Vielleicht ist Lehrer doch nicht so schlecht...

Dec 15, 2004 at 00:38 o\clock

Schüleraustausch

Schüleraustausch

 

»Ah oui, les allemands

Der französische Lehrer M. Pierens, der uns beim Austausch begleitete

 

 

Im Jahre 2001 nahm ich an einem Schüleraustausch mit dem Lycée Colbert in Frankreich teil. Eine tolle Idee, die unsere Lehrer damals hatten. Sechs Nächte bei wildfremden Leuten, mit denen man nur in Bruchstücken kommunizieren konnte.

Ganz schlimm traf das Schicksal meinen Freund Andre, der nach der Rückkehr einen Bericht schreiben musste, der auf der Homepage unserer Schule veröffentlicht wurde. Das bedeutete, dass er die Wahrheit verschweigen und die ganze Geschichte in schillernden Farben zu schildern hatte (man kann das leicht überprüfen, da so ziemlich jeder Bericht über einen Austausch inhaltlich gleich ist).

Ich werde hier einmal die ganze Sache richtig stellen und die Sätze, wie sie die Lehrer forderten, kommentieren. Dazu weise ich noch darauf hin, dass der Text so auf der Homepage erschien, von einem Deutschlehrer abgetippt (Man achte auf Rechtschreib- und Ausdrucksfehler!).

 

»Mittags um 12 Uhr kamen wir in Tourcoing an, wo unsere Austauschschüler schon auf uns warteten. Viele von uns befreundeten sich schnell mit ihren Partnern und ihren Familien an.«

Die Ankunftszeit stimmt sogar, auch dass unsere Austauschpartner auf uns warteten, entspricht der Wahrheit. Die Geschichte mit dem Anfreunden lief eher so ab, dass jedes „Pärchen“ aufgerufen wurde und man sich entweder per Handschlag (bei den Jungs) oder per Nebeneinander-Stehen (bei den Mädchen) begrüßte. Worte wurden kaum gewechselt. Wie sollte man auch, wenn man die Sprache des anderen nicht einmal zu 30 Prozent beherrscht.

 

 »In dieser Woche lernten wir viel über das Leben in Frankreich und besuchten viele interessante Museen und Stätten.«

Das Leben in Frankreich unterscheidet sich im Großen und Ganzen kaum vom deutschen Alltag. Interessant war lediglich das Fahrverhalten der französischen Autofahrer, die die Ampeln nicht als Signale sondern vielmehr als Straßendekoration betrachteten.

Die Museen, die wir besuchten, waren selbstverständlich nicht interessant. Da der kulturelle Teil einer solchen Fahrt aber in Augen der Pädagogen enorm wichtig ist, steht das dort so.

 

»Bei diesen Ausflügen entstanden einige Freundschaften, die bestimmt weit über den Austausch hinaus Bestand haben werden.«

Die meisten Freundschaften hielten bis Anfang Mai, als die Franzosen uns besuchten, manche schrieben danach auch noch ein oder zwei Briefe, aber insgesamt blieben die meistens Freundschaften irgendwo auf einer belgischen Autobahn liegen.

 

»Nach sieben Tagen voller Sehenswürdigkeiten der Region ging es wieder auf nach Hause. Viele wären gerne länger geblieben.«

Der Wunsch, etwas mehr Zeit in Frankreich zu verbringen, lag nur teilweise vor und bei denen, die wirklich länger bleiben wollten, lag es hauptsächlich daran, dass man nicht zur Schule musste und eine Woche frei hatte. Ich persönlich war froh, wieder zurück zu dürfen, da mein Gastvater der Meinung war, man müsse um halb zehn im Bett liegen, wenn man am nächsten Tag um acht Uhr aufzustehen hat.

Als die Franzosen ihre Besuchspflicht hier in Deutschland ableisteten, waren sie allesamt verwirrt, als wir uns von den allabendlichen Parties erst gegen 1 Uhr voneinander verabschiedeten.

Überhaupt waren die französischen Schüler weniger gewohnt, was feiern und vor allem Alkoholkonsum anging. Ich als Antialkoholiker habe zwar nie aktiv an den Besäufnissen teilgenommen, aber dennoch erlebt, wie manche Franzosen alle zwei Schritte umfielen oder sich in den Gartenteich einer Mitschülerin legen wollten.

 

Das Beste an dem ganzen Bericht sind aber folgende beiden Sätze:

1.        »Oft konnten wir uns darüber freuen, im Unterricht eine Sprache gelernt zu haben, die man zur Verständigung mit lebenden Menschen gebrauchen kann (was man von unseren Latein-Kollegen ja nicht unbedingt behaupten kann).«

2.        »Abschließend möchte ich erneut jedem raten, das Fach Französisch zu wählen, um dann am Austausch teilzunehmen.«

Andre befindet sich momentan im Lehramtsstudium mit den Fächern Latein und Philosophie.

Dec 14, 2004 at 00:37 o\clock

Rentner vs. Jugend

Rentner vs. Jugend

 

»Wer den Himmel auf Erden sucht, hat im

Erdkunde-Unterricht nicht aufgepasst.«

                Rolf Miller, dt. Comedian

 


Das alte Jammerlied der Rentner. Die Jugend hat keine Manieren, lernt nichts mehr, weiß nichts mehr, will nichts mehr. Natürlich.

Kein Jugendlicher hat heute mehr Lust zu leben. Natürlich nicht. Schließlich muss dieses Leben in eben dem Land stattfinden, dass die Rentner vor 70 Jahren verhunzt haben. Krieg und so. Von wegen, die Jugend lernt nichts mehr. In 13 Jahren Schule wurde das Thema „Drittes Reich“ zehn Mal behandelt. Jeweils mehrere Wochen lang. Ich weiß heute Sachen über die Zeit damals, die viele damals gar nicht mitgekriegt haben.

Und man sieht immer noch Überbleibsel von damals bei den Rentnern heute. Im Bus zum Beispiel hörte ich mal ein altes Mütterchen sagen:

„Und die Neger nehmen uns wieder die ganzen Arbeitsplätze weg.“

Zwei Dinge sind falsch an dieser Aussage. Erstens heißt das „Schwarzer“ (auch „Farbiger“ ist falsch!) und zweitens nimmt niemand einer 70jährigen den Arbeitsplatz weg (Generelles Problem: Niemand nimmt irgendjemandem Arbeitsplätze weg. Bei einigen deutschen Arbeitnehmern wäre es besser, man würde stattdessen einen Ausländer einstellen, der auch arbeiten will).

Aber wenn man dann auf diese Fehler hinweist, reagiert das alte Mütterchen wie vor 70 Jahren. Mit Aggressivität. Mit unbegründeter Aggressivität, garniert mit haltlosen Vorwürfen. Und zum Schluss kommt immer das grandiose Schlusswort:

„Wir hatten damals ja nichts. Im Krieg nicht und danach erst recht nicht!“

Wer so blöde ist und einen Krieg anfängt, der muss damit rechnen, dass er auch auf die Fresse kriegt. Kein Kampf ohne Verluste. Habe ich gelernt. Die Rentner wohl nicht.

Aber auch sonst ist die Meinung von Rentnern und Jugendlichen sehr verschieden.

So sind Lerninhalte aus Politik und Fremdsprachen für Rentner meist unwichtig. Gefördert werden soll hingegen das Auswendig-Lernen von Gedichten, Handarbeit für Mädchen und körperliche Arbeit für Jungen ab 14 Jahren. Am besten in einer Stahl- oder Waffenfabrik.

Von wegen, die Jugend lernt nichts mehr. Die Jugend lernt etwas anderes. Und mal ehrlich, wer findet sich heutzutage besser zurecht?

Schon Mal einen Rentner gesehen, der problemlos mit einer Stereoanlage, Mikrowelle oder PC umgehen kann?

Eine PlayStation ist für Rentner kein Gerät, bei dem man selbst etwas machen muss, sondern eine Art Videorekorder.

Wie ein Film auf eine runde Scheibe passt, versteht auch kein Rentner.

Und jeder Jugendliche weiß: Wenn ich an der Kasse zahlen muss, dann nehme ich schon einmal vorher das Portemonnaie aus der Tasche. Und unter Jugendlichen ist bekannt: Die Kassierer können Wechselgeld herausgeben. Den Betrag genau abzuzählen ist NICHT notwendig.

Hält nur auf.

Und liebe Rentner, so viel Zeit habt ihr auch nicht mehr!


Dec 13, 2004 at 00:36 o\clock

Wehrdienst

Wehrdienst

 

»Besser einander beschimpfen als einander beschießen.«

Winston Churchill (engl. Politiker, 30.11.1874-24.01.1965)

 

 


Irgendwann bekommt jeder Jugendliche einen Brief vom Kreiswehrersatzamt, meist mit Rechtschreibfehlern, in dem steht, dass man sich zur Musterung vorzustellen hat.

Ich bekam den ersten Brief schon mit 16, damals schickte ich eine Schulbescheinigung zurück und wurde erstmal zurückgestellt, wegen „fortgeschrittener Ausbildung“. Ich bezweifle, dass die Leute, denen ich das schickte, wussten was das ist.

Jedenfalls bekamen alle meiner Schulfreunde den Brief, sich zur Musterung vorzustellen, um den 18. Geburtstag herum. Ich nicht.

Das lag daran, dass das Kreiswehrersatzamt genau zu dieser Zeit von Essen nach Düsseldorf zog, bzw. weil sich der Zuständigkeitsbereich änderte.

Im Dezember, ein halbes Jahr nach meinem 18. Geburtstag, rief ich also beim Kreiswehrersatzamt an und fragte, wann ich gemustert werde. Schließlich muss man sich ja auch rechtzeitig um einen Zivildienstplatz kümmern.

Ich wurde als für einen Termin zwei Wochen später vorgemerkt, bekam auch ein paar Tage später noch einen Brief und machte mich also am 16. Dezember auf den Weg nach Düsseldorf. Die Musterung selbst lief eigentlich ab wie immer, bis auf den ersten Satz des Arztes beim Blick auf meine Krankenakte.

„Also, damit werden Sie höchstens T3.“

Wie Recht er doch hatte. So lautete nach den Untersuchungen das Urteil „Wehrdiensttauglich mit Einschränkungen“. Und das hatte zur Folge, dass ich weder Zivil- noch Wehrdienst leisten musste bzw. durfte. Denn das Ausmaß dieses Tauglichkeitsgrades wurde mir erst später bewusst. Ich bin nicht geeignet für die Bundeswehr. Für die Armee Deutschlands. Für einen Haufen rumballernder, durch Schlamm kriechende Alkoholvernichtungsmaschinen.

Fast jeder hatte mindestens Tauglichkeitsgrad zwei, ich nicht. Ein Freund von mir wurde sogar T5, aber der hat auch ein Loch im Herzen und da ist das dann auch nachzuvollziehen.

Ein anderer Freund von mir hat sich entschlossen, den Wehrdienst abzuleisten. Als er mir erzählte, was er da so macht, da fragte ich mich erneut, wieso ich DAFÜR nicht geeignet bin. Ist irgendein Mensch ohne körperliche Behinderung (geistige Behinderung sehe ich nicht als Grund, den Wehrdienst nicht leisten zu können) nicht dazu im Stande, nachts über ein Feld zu laufen? Sieht es irgendwer als Problem an, sein Bett selbst zu machen und seinen Spind aufzuräumen? Kann irgendjemand nicht Schuhe putzen? Gibt es Menschen, die zum Gruße nicht die eigene Stirn per Handkantenschlag spalten können?

In Deutschland ausgemustert zu werden ist schon ziemlich nahe am gesellschaftlichen Abgrund... Wenn man mal bedenkt, dass die Leute, die einen als untauglich betrachten, für die Bundeswehr allesamt besser geeignet sind... Naja, vielleicht haben die Damen und Herren aber auch nur gemerkt, dass ich nicht bereit bin, grundlos auf andere Menschen zu schießen...

 

 

 

 

P.S.: Bei „EMP“ kann man ein T-Shirt mit folgendem Aufdruck bestellen:

„Join the Army / travel around / see many places / meet interesting people / and kill them”

Oder für Freunde der direkteren Botschaft:

„ Fuck the army!“

Dec 12, 2004 at 00:36 o\clock

Vorbereitung auf das Leben

Vorbereitung auf das Leben

 

»An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser

                Charlie Chaplin (engl. Schauspieler, 16.04.1889-25.12.1977)

 

 


Zur Wahl des Themas möchte ich sagen, dass ich mich hier ein wenig über die letzten Meter der Schulzeit auslasse, da ich eben diese gerade erst mit dem Abitur abgeschlossen habe. Abitur klingt ganz nett, mehr scheint es mir aber nicht zu bringen. Und die „Verniedlichung“, die da „Abi“ lautet, klingt auch eher nach asozialem Slang denn nach hipper Umgangssprache.

Während der Pubertät kommt es ja bei einigen Schülern (bei fast allen, bis auf Streber) zu einer etwas ablehnenden Haltung gegen die Schule. Die Frage, wofür man das denn mal brauchen kann, stellt sich in jeder Unterrichtsstunde, auch wenn es Sport ist und man laufen insofern gut gebrauchen kann, als es doch die normale Fortbewegungsweise des Menschen ist (bei den Schülern aus der Raucherecke machen wir hier mal eine Ausnahme, die leben ja sowieso mehr nach dem Motto „You must not walk, fly!“). Auf die Frage der Schüler, wozu das eben Gelernte...nein, das eben Gehörte später mal gut ist, antwortet traditionsgemäß der Lehrer mit der wunderbar spezifischen Aussage: „ Du glaubst gar nicht, wie oft du das noch mal gebrauchen kannst!“ woraufhin der Schüler Beispiele verlangt. Der Lehrer antwortet dann meistens mit

„ Wenn du zum Beispiel Lehrer werden willst...“ oder benutzt im Fach Biologie die Zukunftsvision „ Wenn du Bio studieren möchtest.“ während  im Chemiesaal häufig „ Wenn du bei Bayer anfangen willst.“ als Antwort eingesetzt wird.

Was mich besonders an der Schule faszinierte (und worauf ich 13 Jahre wartete) war das selbst gesteckte Ziel, „die Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten“. Ich habe in den drei Jahren Oberstufe knapp 60 Stunden Unterricht versäumt. Diese Vorbereitung muss genau in den Stunden geschehen sein, in denen ich krank im Bett lag oder den Arzt besuchte.

So war für mich letztendlich nur klar, dass ich auf keinen Fall Lehrer werde, da ich meiner Meinung nach dafür zu viele Gehirnzellen besitze (gemessen am Beispiel einiger meiner Lehrer. Die, die jungen Menschen, die heute Lehrer werden wollen sind ja meistens motiviert und nicht wie die freiwilligen Lehrer kurz nach dem Krieg, die sich einfach mal gemeldet haben, weil ihnen langweilig war).

Dazu muss ich sagen, dass nicht alle meiner Lehrer dumme Idioten waren, allerdings hatte ich eine Lehrerin, die der Meinung war, man müsse türkische Schüler schlechter behandeln als deutsche Schüler, was mir aufgrund einer gesunden politischen Einstellung missfiel (ich weiß, „gesund“ und „Politik“ widerspricht sich natürlich, aber ich hielt „vernünftig“ für noch unpassender.

Kommen wir zurück zu dem eigentlichen Kritikpunkt: Die Vorbereitung auf’s Leben. Ich bin der Ansicht, dass mir nur derjenige etwas über’s Leben beibringen kann, der etwas davon versteht und schon genug erlebt hat, um mir hilfreiche Ratschläge zu geben.

Das Oberhaupt meiner Schule, der Direktor also, verfügt leider nicht über die nötige Qualifikation und auch die eben angesprochene Nazi-Lehrerin hat sich da nicht mit Ruhm bekleckert. Menschen mit einer anderen Religion oder Kultur als negativ oder schlechter zu bezeichnen ist in der heutigen Zeit nicht gerade ein geeignetes Mittel, um Zusammengehörigkeit zu demonstrieren. Und ein Direktor, der mit Mitte 50 noch zu hause bei Mami und Papi wohnt, sollte noch mal ganz lange überlegen, ob er bei seiner Berufswahl wirklich die richtige Entscheidung getroffen hat.

Dec 11, 2004 at 00:35 o\clock

Schule und weitere Experimente

Schule und weitere Experimente

 

Dreizehn Jahre glatt verschenkt

Dabei auch sozial gelenkt

Langsam den Werten und Normen verschrieben

Bin ich trotzdem noch dumm geblieben.

 

Ich kenne zwar Goethe und auch die Zahl Pi

Anwenden könnte ich’s jedoch nie.

Auch lernte ich religiöse Sachen,

Doch zog ich es vor, darüber zu lachen.

 

Meistens war für mich auch nur wichtig:

„ Klingt das gut?“ – nicht „ Ist das richtig?“

So kam es denn, dass meine Klausuren

Stets schlechter waren – in Bezug auf Zensuren.

 

Ein Fach jedoch, das machte mir Spaß,

wir spielten es drinnen und auch auf Gras.

Ohne Bestrafung fehlte man dort,

Richtig, ich rede vom Sport.

 

Ein Fach hingegen mochte ich nie:

Es handelt sich dabei um Biologie.

Das Buch dazu hatte ich nie im Ranzen...

Kann mich schließlich auch ohne fortpflanzen!

Dec 10, 2004 at 00:34 o\clock

BILD – Bald Ist’s Linguistisches Debakel

BILD – Bald Ist’s Linguistisches Debakel

 

»Das Schreibenlernen, das begannst du früh schon zu betreiben;
und doch, obwohl du schreiben kannst, kannst du bis heut nicht ‘schreiben’.
«

Heinz Erhardt (dt. Schauspieler/Humorist, 1909-1979)

 

 


In der BILD-Zeitung lassen sich tagtäglich eine Vielzahl journalistischer Ergüsse finden, denen es an Seriosität fehlt.

Besonders interessant sind die Bezeichnungen für Personen, über die berichtet wird. Nehmen wir zum Beispiel Angelos Charisteas. Ein Fußballer, unter Vertrag bei Werder Bremen und auch griechischer Nationalspieler.

Wie fußballinteressierte Menschen wissen, schoss er das Siegtor im EM-Finale gegen Portugal und sorgte damit für den EM-Titel für die Griechen.

Die BILD war entweder zu blöde, um den Namen Charisteas zu schreiben oder fand es höllisch lustig, den Stürmer als „Gyros-Bomber“ zu bezeichnen.

Käme irgendjemand auf die Idee, einen deutschen Abwehrspieler „Eisbein-Libero“ zu nennen? Wohl kaum. Hört sich ja auch scheiße an.

Aber die BILD findet für jeden einen Spitznamen. Da wird aus Britney Spears im Zusammenhang mit Alkoholexzessen schnell mal „Spritney“, aus dem Fußballverein Borussia Dortmund nach einer Niederlagenserie „Borussia Doofmund“ und aus der Tennisspielerin Maria Sharapova „Maria Sharapower“.

Und jedes Mal, wenn ein neuer Politiker in ein Amt gewählt wird oder irgendein Newcomer in Sport, Film oder Musik vorgestellt wird, beleuchtet man nicht die Fähigkeiten der Person sondern Aussehen oder Sexualleben (Beispiele: Paolo Guerrero, Stürmer vom FC Bayern München. Schlagzeile:

„ Das Geheimnis seiner Rasta-Zöpfe“ oder Condoleeza Rice als neue US-Außenministerin. Schlagzeile: „ Warum hat sie keinen Mann?“). Das ist sowieso die größte Gabe der BILD-Reporter: In jeder Geschichte wird irgendwo ein sexueller Aufhänger gefunden. Da kann ein Schweinelaster verunglücken und die Tiere bestialisch zerquetscht werden, da wird nicht auf das Schicksal der Tiere hingewiesen, sondern auf das hübsche Mädchen, das beobachten musste, wie die Tiere qualvoll zwischen LKW und Straße zerfetzt wurden.

Drei Wochen später wird die Story fortgesetzt mit der Schlagzeile „Das Schweinchen-Mädchen: Wie sie den Schock verkraftet“.

Sauerei.

Dec 9, 2004 at 00:33 o\clock

Flashback from „Fight Club“

Flashback from „Fight Club“

 

»Liebe: nur ein schmutziger Trick der Natur, um das

Fortbestehen der Menschheit zu garantieren

                William Somerset Maugham (engl. Schriftsteller, 25.01.1874-16.12.1965)

 

 


In meinem persönlichen Favoriten, was Spielfilme angeht, sagte Brad Pitt in der Rolle des Tyler Durden einmal:

„ Wir sind eine Generation von Männern, die von Frauen großgezogen wurden. Ich frage mich, ob noch eine Frau die Antwort auf unsere Fragen ist.“

Vor einiger Zeit fragt meine Mutter mich immer mal wieder, warum ich keine Freundin habe. Ob’s da nicht eine gibt, die mir gefällt. Und so. Ich glaube, sie hat nur Angst, ich werde homosexuell. Oder gar schwul.

Allerdings muss ich da zu meiner Verteidigung sagen: Nein! Allein schon wegen des biologischen Blickwinkels. Gleichgeschlechtliche Beziehung bringt ja nichts für die Menschheit.

Und mir wurde jetzt klar, warum ich keine Freundin hatte. Ich wurde auch von Frauen großgezogen.

Meine Mutter und meine Oma kümmerten sich meistens um mich und als Kind spielte ich bis zum Alter von 7 Jahren sehr häufig mit Mädchen. Da wächst man natürlich mit einem anderen Verhältnis zum weiblichen Geschlecht auf: Man lernt Respekt. Frauen sind für viele Männer ja nur ein Zeitvertreib. Und nur deshalb so begehrenswert, weil sie früher auch nur mit anderen Jungs und Autos gespielt haben. Ich nicht. Ich hatte ein Sticker-Album und ein Puppenhaus. Allerdings ein männliches, von meinem Opa selbstgebaut und in kräftigen Farben gestrichen, nicht in zarten Pastelltönen angemalt. Tim Taylor hätte respektvoll gegrunzt.

Und jetzt wird’s pädagogisch: Was man als Kind nicht hatte, will man doch als Jugendlicher bzw. junger Erwachsener umso mehr. Bei den anderen Jungs sind das eben die Mädchen, bei mir Videospiele und Wrestling. Hauptsächlich. Grundsätzlich bin ich natürlich nicht abgeneigt gegen Frauen. Hab ja jetzt auch ’ne Freundin. Seitdem ist mein Zimmer auch immer viel ordentlicher...

Aber ich konnte (und könnte bestimmt immer noch nicht) auf Parties oder ähnlichem spontan eine Beziehung aufbauen, die lediglich darauf basiert, wie der Partner an dem Abend aussieht. Da muss man weiter denken. Wie sieht sie zum Beispiel aus, wenn sie mit Grippe im Bett liegt? Oder mit knallroter Nase ihren Schnupfen bekämpft?

Wenn man sich das mehrere Male fragt, dann erkennt man, dass auch innere Werte zählen. Ich weiß, das klingt bescheuert. Aber es ist doch so. Eine Beziehung dient ja nicht nur dazu, seinen Partner anzugucken. Man will sich ja auch miteinander unterhalten oder auch mal etwas zusammen unternehmen. Da sind auch gemeinsame Interessen wichtig. Und die erkennt man nun mal nicht, wenn man in einem stickigen Raum mit zuckenden Lichtern und lauter Musik den Rachenraum des Gegenübers mit Hilfe seiner eigenen Zunge erkundet. Wer das doch kann, der sollte natürlich dabei bleiben. Aber meinen Beobachtungen zufolge ist diese Strategie bei Personen in meinem Alter bisher nicht sehr erfolgreich gewesen.

Langfristiges Kennen lernen ist demnach die bessere Alternative. Also ruhig mal nicht besaufen, sondern reden. Und zuhören. Damit erreicht man viel mehr. Sofern man es denn will.

Aber um noch mal alle zu beruhigen: Auch ich habe das Ziel, die Menschheit zu erhalten. Aber nicht frühzeitig und übermäßig. Hab ja auch noch ein bisschen Zeit, oder?

Eben!


 

 

P.S.: Für Theologen ein weiteres Zitat aus „Fight Club“:

„ Unser Ebenbild von Gott waren unsere Väter. Unsere Väter haben uns verlassen. Was sagt dir das über Gott?“

Dec 8, 2004 at 00:28 o\clock

Stein auf Stein

Stein auf Stein

 

»Freude an der Arbeit lässt das Werk trefflich geraten

                Aristoteles (griech. Philosoph, 384-322 v. Chr.)

 

 


Jedes Mal, wenn ich per Fahrrad durch die Straßen Heimatstadt rolle, kommen mir fünf Buchstaben und ein Satzzeichen in den Sinn.

„ Warum?“

Warum werden alle Grünflächen der Reihe nach strategisch abgeholzt? Warum zieht man ein Reihenhaus nach dem nächsten hoch? Und warum stellt man die derart eng zusammen, dass man, wenn man mal den Kopf aus dem Fenster steckt, schon im Nachbarhaus hängt? Okay, Eigenheim schön und gut, aber ist das wirklich so toll, wenn man sich gar nicht mehr bewegen kann? Deswegen heißen die geklonten Gebäude ja auch „Immobilien“. „Immobilität“ bedeutet nämlich keinesfalls „eine Immobilie besitzend“, sondern „Unbeweglichkeit“ (im Militär wird damit auch der Zustand fehlender Kriegsausrüstung und Kriegsbereitschaft (von Truppen) bezeichnet).

Mittlerweile steht an jeder zweiten Straßenecke ein halbfertiges Haus, mit einer Lehmgrube als Vorgarten und Fensterdekoration, auf der steht „ Mich kann man kaufen!“. Prostitution der Eigenheime, schlimmer kann’s doch kaum noch kommen.

Und das schlimmste ist ja wirklich, dass die ganzen modernen Reihenhäuser alle absolut gleich aussehen. Wenn man da den Nachbarn besucht und er auffordert, sich „wie zu hause“ zu fühlen... kann man das überhaupt noch verhindern?

Ich bin ja mal gespannt, wann sich das erste Mal gravierende Baufehler einschleichen, wie auf dem folgenden Bild:

 

Dec 7, 2004 at 00:27 o\clock

American holidays in Germany

American holidays in Germany

 

»Ich bin zu alt für so ’ne Scheiße

                Danny Glover (amerik. Schauspieler)

 

 


Deutschland ist ja in Bezug auf Feiertage relativ blass, was kreative Dekoration angeht. Hier gibt es Dekoration zu Ostern, Weihnachten und vielleicht mal am Geburtstag. Stellenweise treten auch vereinzelt Dekorationen zum Thema Herbst oder in noch weniger Fällen zu Sankt Martin. Aber das ist schon sehr selten.

Viel interessanter ist allerdings, dass eine Menge Geschäfte trotzdem zu jeder Möglichkeit, ganz dem Trend in den USA folgend, Dekorationen anbieten. Mittlerweile wurde ja fast jeder Feiertag der USA übernommen, bis auf den „Independence Day“, aber das wäre wohl auch kein Problem, denn wer interessiert sich schon für die Geschichte der USA. Oder überhaupt... Immerhin wissen viele Jugendliche heute ja gar nicht, was sich hinter dem Wort „Holocaust“ überhaupt verbirgt und die DDR interessiert die 14- bis 18-jährigen nur noch insofern, dass sie anfangen, T-Shirts zu tragen, die das Logo diverser DDR-Firmen tragen (bis auf den Aufdruck „Stasi“ hab ich schon alles gesehen).

Aber zurück zum Thema. Ein Freund von mir hat sich vor wenigen Tagen dazu entschieden, eine kleine Halloween-Feier zu machen. Im Endeffekt ein DVD-Abend mit ein paar Freunden, mit Halloween-Snacks und Horror-Filmen. Dazu wollte er natürlich ein bisschen Deko haben und da ich immer gerne alles dekoriere, hat er mich nach Ideen gefragt.

Wir sind dann erstmal losgezogen, um in ein paar Geschäften nach Halloween-Dekoration zu suchen. Dabei stellten wir fest, dass der beste Zeitpunkt zur Organisation einer Halloween-Party irgendwo zwischen Mai und August liegt. Zu dem Zeitpunkt haben wir nämlich überall Kürbisse und Totenköpfe aus Plastik oder Pappmaché gesehen.

Anfang Oktober ist allerdings reichlich spät für so etwas. Selbst der Hinweis „Riiiiesiges Halloween-Angebot!“ im Schaufenster eines Ladens offenbart drei Kartons mit Lichterketten in Kürbisform.

Gut, man könnte annehmen, das läge daran, dass bereits alle Dekorationsartikel restlos ausverkauft wären.

Dagegen spricht allerdings die Tatsache, dass nur wenige Haushalte sich so der Dekorationslust hingeben wie die Amerikaner. Außerdem fiel uns auf, dass der größte Teil der Regale für eine andere Sorte von Dekorationsartikeln verwendet wurde.

Ich spreche hier nicht von Windlichtern oder Türkränzen für ein herbstliches Ambiente. Nein, ich rede von WEIHNACHTSARTIKELN. Weihnachten im Oktober. Gut, der frühe Vogel fängt den Wurm, aber wenn der zu früh dran ist, dann ist der Wurm noch recht klein und der Vogel wird nicht satt.

Was ich damit sagen will: Im Oktober ist die Weihnachtsstimmung noch nicht so ausgereift, dass man sich die Wohnung mit kleinen Nikoläusen und Engelchen voll stellt und jeden Tag Lebkuchen und Spekulatius in sich hineinstopft. Man überlegt auch noch nicht krampfhaft, wo der Christbaumständer steht.

Wir haben letztendlich vier Lampions mit Gruselmotiven, eine Kürbis-Girlande und Teelichter erworben. Außerdem fanden wir im Internet Rezepte, die laut Webmaster „voll der Horror“ seien.

Wem das nicht reicht bzw. wer etwas ausgefallene Dekoration möchte, der wird nicht umhin kommen, sich diverse Artikel aus den USA importieren zu lassen.

Wenn Karstadt sich mal vor Jahren Gedanken über ein jährliches Halloween-Sortiment bis Ende Oktober gemacht hätte...Opel wäre wohl die einzige Schlagzeile gewesen.

Dec 6, 2004 at 00:21 o\clock

Meine Mutter

Meine Mutter

 

»Erziehung ist organisierte Verteidigung der Erwachsenen

gegen die Jugend

                Mark Twain (amerik. Schriftsteller, 30.11.1835-21.04.1910)

 

 


Ich habe ja nicht nur einen Bruder, nein, ich habe auch eine Mutter. Zum Glück. Nicht auszudenken, was sonst aus mir geworden wäre. Ohne die Ratschläge meiner Mutter. Zum Beispiel, wenn ich irgendwo hin fahre. Dann kommt immer

„ Pass’ schön auf! Fahr vorsichtig!“

Was sonst? Glaubt meine Mutter ernsthaft, ich würde mir bei Tempo 100 denken „ Ach, komm, geht auch ohne hinzugucken.“ Wer ist so bescheuert? Okay, der Typ aus Amerika mit dem Tempomat im Wohnmobil. Kauft sich ein Wohnmobil, schaltet den Tempomat ein und geht nach hinten in den Wohnbereich um einen Kaffee zu kochen, weil er dachte, der Tempomat lenkt das Auto auch. Aber der hält natürlich nur die Geschwindigkeit. Naja.

Der beste Satz aber ist „ Und ras’ nicht so!“ Was soll das „so“? Kann man auf verschiedene Arten rasen? Kann man auch langsam rasen? Oder vielleicht ästhetisch? „ Ras’ nicht so ästhetisch!“, das würde ich mir auch zu Herzen nehmen. Das ist auch was handfestes.

Aber ganz ehrlich, mittlerweile habe ich mich schon sehr daran gewöhnt. An diesen Dialog.

„ Mama, ich fahr’ dann jetzt!“

„ Gut, bis nachher. Und fahr’ vorsichtig!“

„ Ja.“

„ Und ras’ nicht so!“

„ Ja.“

Ganz ehrlich, als meine Mutter einmal nur „ Tschüß!“ sagte, da bin ich 200 Meter gefahren und hab während der 200 Meter darüber nachgedacht, warum sie dieses Mal den Satz weggelassen hat.

Nach den 200 Metern war ich so verunsichert, da hab’ ich den Wagen rechts ’rangefahren, bin ausgestiegen und hab’ mir ein Taxi gerufen.

 

Viel wichtiger als diese Situation ist aber, wenn meine Mutter ihre Gefühle auf mich überträgt. Wenn sie im Sommer abends draußen sitzt und es langsam kühler wird und sie friert, dann werde ich automatisch aufgefordert, mir einen Pulli zu holen. Auch wenn ich schwitze wie blöde, wenn meine Mutter friert, dann ist mir auch kalt. Denkt sie.

Umgekehrt geht das aber auch. Als mir im Winter mal kalt war, weil die Heizung in meinem Zimmer nicht mehr volle Leistung brachte, da hab ich mir einen Pullover und dazu eine Trainingsjacke angezogen und meine Mutter fragte, warum ich denn so eine „ Bullenhitze“ (woher kommt dieser Ausdruck?) in meinem Zimmer hätte. Da war dann das gleiche Problem, wie im Sommer. Mir musste warm sein, weil sie halt nicht fror. Naja, was soll’s.

Aber man soll ja eigentlich nicht über seine Eltern meckern. Die meinen es ja nur gut. Klar. Deswegen hoffen sie ja auch, „ dass du das alles mal wiederkriegst!“.

Danke, Mama.

Dec 5, 2004 at 00:20 o\clock

Mein Bruder

Mein Bruder

 

»Neiiin!«

                Homer Simpson (Zeichentrickfigur)

 

 


Mein Bruder ist ein Phänomen. Mal ganz davon abgesehen, wie viel Haarspray er in seiner Frisur unterbringen kann, auch in seinen Verhaltensweisen findet man so schnell kein vergleichbares Subjekt.

Am auffälligsten ist dabei das Verhalten, wenn er etwas von mir möchte. Zum Beispiel kommt er häufig in mein Zimmer (ich darf sein Zimmer nie betreten, es sei denn, ich soll ihm bei etwas helfen, Hausaufgaben oder so) und fragt, ob er eine meiner Hosen anziehen darf. Dazu muss ich sagen, dass er früher einfach die Sachen aus meinem Schrank genommen hat, wenn ich nicht da war.

Jedenfalls fragt er dann, ob er „die eine Hose da“ haben kann. Meistens, wenn ich nicht gerade dasselbe Kleidungsstück anziehen möchte, erlaube ich dies.

In diesem Fall nimmt er die Hose aus dem Schrank und geht. Allerdings bedeutet das nicht, dass er die Hose abends oder am nächsten Morgen zurückbringt. Er zieht sie so lange an, bis sie entweder dreckig oder kaputt ist oder ich ihn danach frage.

Wenn er sie zurückbringt (kommt ja eher selten vor) ist er allerdings nicht imstande, die Schranktür zu öffnen, um die Hose wieder zurückzulegen. Besonders interessant an dieser scheinbaren Unfähigkeit, den Schrank zu öffnen, ist die Tatsache, dass er diese Hürde problemlos nimmt, wenn er die Hose aus dem Schrank nimmt. Allerdings schafft er das nicht, wenn er sie zurück legen soll. Sehr seltsam, das Ganze.

Allerdings funktioniert das auch mit anderen Gegenständen. So leiht er sich beispielsweise häufig DVDs von mir, die ich mir dann in seinem Zimmer zusammensammeln muss. Wie das geht? Nun, eine DVD besteht üblicherweise aus Hülle und DVD. Meist liegt die Hülle aufgeklappt unter irgendwelchen Bergen von Chipstüten und Ähnlichem, während die DVD entweder im Laufwerk des Computers steckt (er hat keinen DVD-Player und sieht sie daher über den PC) oder neben der Hülle unter denselben Chipstüten steckt.

Dasselbe Szenario spielt sich ab, wenn er sich mein Telefon leiht. Das Besondere an dieser Situation ist, dass er selbst über ein Telefon und einen eigenen Telefonanschluss verfügt.

Jeder andere würde diesen Anschluss nutzen, allerdings hat er an seinem Apparat mal etwas verstellt oder zerstört (bei ihm liegt das oft dicht beieinander) und hat daher zwischen den Möglichkeiten reparieren und ausleihen natürlich den bequemeren Weg gewählt. [1]

Ein Gespräch mit meiner Mutter brachte mir übrigens den Kommentar ein, ich sollte mich nicht so aufregen, sie müssten erst einmal die Bedienungsanleitung suchen.

Falls ich mal eine Bedienungsanleitung nicht zur Hand habe (meistens brauch ich die nur, weil mein Bruder eines meiner elektronischen Besitztümer beschädigte), wird mir nicht selten mit Enterbung gedroht.

Aber wie meine Mutter mir beim letzten Mal, als ich mein Lieblingstrikot (75 €, vom Taschengeld bezahlt und aus den USA importieren lassen) achtlos zerknüllt in seinem Schrank gefunden habe, sagte:

„ Die jüngeren Geschwister dürfen immer mehr als die älteren!“

Auf den Gedanken, dass sie da mal eine Ausnahme sein könnte und ihre Kinder gleich behandeln könnte, kam sie allerdings nicht.

Schade eigentlich...

Hab mir jetzt mal Broschüren der örtlichen Seniorenheime schicken lassen.



[1]  Mittlerweile hat er wieder einen eigenen Apparat. Wer musste ihn kaufen? Richtig. Ich.

Dec 4, 2004 at 00:18 o\clock

Trödelmarkt an der Rolltreppe

Trödelmarkt an der Rolltreppe

 

»Reklame ist die Kunst, auf den Kopf zu zielen und

die Brieftasche zu treffen

                Vance Packard (amerik. Journalist/Autor, 22.05.1914-12.12.1996)

 

 


Ich gehe öfter mal mit einem Freund einkaufen. Aber nicht so, wie Frauen. Wir kaufen weder Schuhe noch Ohrringe, sondern Entertainment-Accessoires. DVDs und Playstation-Spiele. Und CDs natürlich. Wenn sie nicht zu teuer sind.

Beim letzten Besuch in der Galeria Kaufhof haben wir eine interessante Entdeckung gemacht: Neben der Rolltreppe im Erdgeschoss war eine Art Tapeziertisch aufgebaut, auf dem diverse Schmuckstücke und Uhren ausgebreitet waren. Natürlich im Schatten der überdimensionalen Schilder mit der Aufschrift „REDUZIERT!!!“ und „SUPER ANGEBOTE – JETZT ZUGREIFEN!!!“. Immer mit drei Ausrufezeichen.

Und hinter diesem Tisch stand ein junger Mann, so Mitte 20, mit einem Mikrofon und gnadenlos schlechter Artikulation. Ich habe mir zwar schon gedacht, dass er versucht hat, die Waren auf diesem Tapeziertisch anzupreisen, aber er tat sein Bestes, die Leute zu vertreiben.

Ich möchte dazu zwei Zitate von ihm wiedergeben:

„ Es war einmal eine Kette, die wurde reduziert. Ja, Sie hören richtig! Statt 39 Euro neunzig jetzt nur noch für genau 10 Euro das Stück. Und Sie haben keinerlei Nachteile! Ihnen bleibt sogar die volle Garantiezeit erhalten, Sie müssen lediglich den Garantiezettel aufbewahren. Das ist ganz, ganz wichtig!“

Der erste Satz schockte mich am meisten. Ich dachte erst, dass das Kaufhaus einen Märchenonkel für die kleinen Kunden engagiert hatte. Aber der wollte mit diesem Satz doch tatsächlich Erwachsene anlocken!

Glücklicherweise hat keiner drauf reagiert, außer so ’nem Typen mit Grimasse auf’m T-Shirt. Hätte diese Verkaufsstrategie Erfolg verzeichnet, ich glaube ich hätte meinen Glauben an Deutschland verloren und wäre ausgewandert.

Den folgenden Satz brachte der Verkäufer über seine Lippen, als auch der oben genannte Typ nichts kaufte und weiter seiner (unergründlichen) Wege ging. Und zwar sagte er in seiner Verzweiflung und theatralischem Überschwang:

„ Kommen Sie, meine Damen und Herren, alles muss raus, alles ist reduziert. Alles hier muss weg, um jeden Preis, koste es, was es wolle!“

1. „ Um jeden Preis.“

Ich fragte mich, ob er wohl sein Leben lassen würde, um wenigstens eine Uhr an den Mann oder die Frau zu bringen.

2. „ Koste es, was es wolle.“

Ich bin zwar nicht besonders bewandert, was Wirtschaft und Meinungsforschung angeht, aber ich behaupte doch mit ziemlicher Sicherheit, dass ein Kunde bei reduzierten Angeboten niedrige Preise erwartet und nicht eine Aussage, die sonst nur dann gemacht wird, wenn irgendwer irgendetwas so sehr besitzen möchte, dass er ohne zu Zögern sein gesamtes Vermögen dafür opfern würde...

Nun ja, wir drückten uns – wie ein Großteil der anderen Kunden auch – an dem Tapeziertisch und dem Verkäufer vorbei, nur um auf der anderen Seite der Rolltreppe einen zweiten Stand zu entdecken, genauso ausgestattet wie der erste.

Hier lautete der Slogan „Gold und Silberstückchen für sie und ihn!“.

Ich hatte kurz vorher ein Videospiel entdeckt, in dem es darum ging, Silberstücke zu sammeln um damit später einen Werwolf zu bekämpfen.

Scheinbar flößen Werwölfe heutzutage kaum jemanden Angst ein, niemand interessierte sich für die Silberstückchen...

Dec 3, 2004 at 00:17 o\clock

Biologie-Unterricht

Biologie-Unterricht

 

»Für mich gibt es Wichtigeres im Leben als die Schule

                Mark Twain (amerik. Schriftsteller, 30.11.1835-21.04.1910)

 

 


Der Biologie-Unterricht war stets das absolute Highlight des Stundeplans. Zu Beginn meiner Gymnasiums-Laufbahn (in der Grundschule hieß das noch Sachkunde und war wesentlich interessanter) war die Lehrerin noch in Ordnung. Im wesentlichen Unterschied zu meiner letzten Biolehrerin kannte sich die erste auch in der Geschichte gut aus. Dazu später mehr.

Zwischendurch hatte ich auch noch ein paar andere Lehrer, eine Weile hatte ich sogar bei demselben Lehrer Biologie und Sport. Als ich ihn einmal im One-on-One (sprich: 1-gegen-1) beim Basketball besiegt hatte, gab er mir zur Belohnung eine glatte 6 in Bio. War aber relativ egal, hab mich noch auf eine 5 gerettet und damit die Versetzung geschafft.

Die nächste Lehrerin war eine ruhige und zurückhaltende Frau, was dazu führte, dass wir nur gelegentlich zum Bio-Unterricht erschienen. Es gab weder Arbeiten noch Tests und ich habe nur in der letzten Stunde mitgearbeitet. Da meinte sie nämlich, eine Prüfung machen zu müssen, damit sie mir noch eine 4 geben konnte. Glücklicherweise waren die fehlenden Beschriftungen des Modells, welches sie per Projektor an die Wand warf, auf der Zeichnung im Buch gut zu erkennen.

Die Lehrerin, die mir von allen Bio-Lehrern am meisten im Gedächtnis blieb, ist die, die ich in der Oberstufe hatte. Und ich möchte dazu sagen, dass ich Biologie nur deshalb gewählt habe, weil ich mich zwischen Chemie, Physik und Biologie entscheiden musste. Und da ich Chemie überhaupt nicht konnte und Physik auch nur mit Ach und Krach hinter mich gebracht hatte, wählte ich schließlich Biologie.

Das größte Problem war nicht der Unterrichtsstoff, sondern eben die Lehrerin. Sie hat in den zwei Jahren, in denen ich bei ihr Unterricht hatte, nicht einen Satz gesagt, ohne vorher in ihr Biologie-Buch zu sehen. Dieses Buch hieß Linder.

Der Linder wurde bei uns im Biologie-Unterricht eingesetzt. Ich hab mich im Gegenzug in Bio weit weniger eingesetzt. Manchmal war ich noch nicht einmal da. War sowieso kein Unterschied zu den Stunden, in denen ich anwesend war. Kapiert habe ich sowieso nichts und ich muss sagen, dass ich’s gar nicht erst versucht habe. Biologie hat mich nie besonders interessiert. Gut, Ökologie fand ich schon einigermaßen interessant, aber Genetik und so fand ich langweilig. Wer sich nur mit DNA und irgendwelchen Helixformen beschäftigt, der wählt auch die NPD. Bei der Einstellung meiner Bio-Lehrerin liegt die Vermutung nahe, dass sie schon dabei war, als es noch die NSDAP gab. Die hatte auch noch die Sprüche von damals drauf. Und immer schön davon erzählt, wenn wir mal ein Problem hatten. Früher sei das ja alles schlimmer gewesen. So Krieg und danach die Zeit war ja besonders hart und so. Das sah man ihr auch an. Anscheinend hat sie die Ideologie Hitlers bis heute nicht vergessen. Im Gegensatz zu den Vererbungslehren. Aber sie ist ja auch keine richtige Biolehrerin. Während ihres Studiums hat sie Bio nur so nebenbei mal belegt. Aber als sie dann Lehrerin war, brauchte man eine Biolehrerin und sie hat das dann übernommen.

Sie unterrichtet übrigens auch Religion. Lustig war es immer, wenn sie aus tiefster Überzeugung in der zweiten Stunde erklärte, das ein Leben aus der Verschmelzung des weiblichen und des männlichen Zellkerns entsteht und dann in der siebten Stunde vehement behauptete, der Mensch würde von Gott aus Ackerboden gemacht... In den Momenten fragt man sich, ob man nicht doch ein ruhiges Leben als Biolehrer führen will...

Dec 2, 2004 at 00:09 o\clock

Deutsche Tugenden

Deutsche Tugenden

 

Den Deutschen steht es groß im Gesicht,

sie mögen das Leben hier einfach nicht.

So wenig Lohn und so hohe Kosten

Und dann noch Vereinigung mit dem Osten.

 

Ein vereintes Volk, dass sich doch wieder teilt;

Welches Schicksal hat heute Deutschland ereilt?

Früher war’s schöner, das sagen heut viele.

Früher hatte man auch noch andere Ziele.

 

Die Jugend interessiert heute nur noch Konsum,

Man könnte zwar arbeiten - aber warum?

Ständig schließen wieder große Betriebe

Schon lange vorbei ist’s mit Nächstenliebe.

 

Gute Bildung interessiert viele nicht mehr,

Die neue Rechtschreibung ist ihnen zu schwer.

Der Jugend Grammatik scheint ziemlich verschwommen,

Die deutsche Sprache ist alarmierend verkommen.

 

Politisches Interesse ist auch schon passé,

In Sachsen wählt man sogar NPD.

Auch im Westen wendet es sich zum Schlechten,

Auch hier wählt schon so mancher die Rechten.

 

Manche verstehen es wahrscheinlich nie.

Wir haben zwar eine Demokratie.

Aber man muss nicht, man darf eine Meinung haben.

Bei null Ahnung: Einfach mal fragen...

Dec 1, 2004 at 00:05 o\clock

Vorwort

Vorwort

 

»Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch.«

Joschka Fischer (dt. Politiker)

 

Hi! Wie geht’s? Ich muss Ihnen... ach, Förmlichkeit ist was für Manager: Ich muss dir echt mal mein Lob aussprechen.

In der heutigen Zeit mit Computern, Internet und neuerdings sogar Hörbüchern (man stelle sich das mal vor. Da liest irgendein Mensch ein Buch vor, weil andere Menschen zu faul sind, selbst zu lesen. Das ist wirklich Faulheit. Kein Wunder, dass es da bergab geht mit Deutschland) ist es ja echt sehr selten geworden, dass mal jemand selber liest.

Ich zum Beispiel habe mittlerweile mehr geschrieben als ich je gelesen habe. Der letzte Versuch scheiterte daran, dass es sich um ein wissenschaftliches Buch handelte. Als ich dann sagte, dass das Buch langweilig sei, musste ich mir von einem meiner Lehrer anhören, dass ich froh sein sollte. Früher, nach dem Krieg, da wäre man ja froh gewesen, wenn man wenigstens die Winterstagnation hätte analysieren können. Das war ja eines der wenigen Dinge, die man beobachten konnte. Bücher hatten sie damals ja nicht.

Gut, wenn die damals den Krieg nicht angefangen hätten, dann wären wahrscheinlich alle besser dran gewesen. Blöd, dass man einem Zellhaufen gefolgt ist, der ein Selbstportrait zeichnete und selbiges als Feind des Volkes proklamierte.

Okay, wir hätten heute auch keine Demokratie. Aber mittlerweile sind ja immer mehr Menschen gegen eine demokratische Verfassung.

Aber sich beschweren, wenn die NPD in den Landtag einzieht. Naja, was soll’s. Wenn man sich darüber aufregt, bringt das ja sowieso nichts. Und selbst wenn man etwas ändern könnte, mit der Alternative sind dann wieder andere unzufrieden. Man kann es nicht allen recht machen. Also kann man’s auch gleich lassen und einfach die positiven Seiten sehen. Gut, die NPD ist da mal eine Ausnahme, da ist nichts Positives zu finden. Aber sonst: Nicht alles so ernst nehmen. Lieber lachen. Ist sowieso gesünder!