ZDF Journalist in den "Fängen der venezolanischen Miliz"
Joachim Bublath als Spion verdächtigt
Als Bublath für die TV-Reihe „Faszination Erde“ Anfang Dezember am Maracaibo See recherchiert und fotografiert habe, sei er vom dortigen Militär verhaftet worden, berichtete „Bild Online“ unter Berufung auf die Münchner Abendzeitung am Dienstag.
„Es kamen zwei Wagen mit je zwölf schwer bewaffneten Soldaten", sagte Bublath. Ein Soldat habe Bublaths Mietwagen übernommen und dann sei der Konvoi in ein Militärcamp gefahren, hieß es weiter. Dort sei der Journalist rund dreieinhalb Stunden festgehalten und befragt worden.
Als Gringo beschimpft
Dabei sei er unter anderem als „Gringo“ bezeichnet worden, ein Ausdruck der in Latein-Amerika abwertend für US-Amerikaner verwendet wird. „Das waren richtige Folterknechte dabei", schilderte Bublath.
Als sich ein Hauptmann in die Befragung einbracht habe, sei es kurios geworden. Der Mann habe gefragt, wer der deutsche Bundespräsident sei. Auf die Antwort „Köhler“ von Bublath, entgegnete der Hauptmann schroff: „Das stimmt nicht, der Mann heißt Schröder.“
„Wie in einem schlechten Film“
Unterschwellig habe er eine „Bedrohung“ empfunden, Angst um sein Leben jedoch nicht. „Ich fühlte mich wie in einem schlechten Film", so der Wissenschafts-Chef des ZDF weiter. Nach dreieinhalb langen Stunden sei der Spuk vorbei gewesen.
Joachim Bublath begibt sich auf die abenteuerliche Expedition in das Reich des Orinocos.
ZDF / Rainer Friedl.Wegen seiner vielen, weithin sichtbaren Öltürme hat der Maracaibo See einen, wenn auch etwas zweifelhaften Ruf als touristisches Ziel. An diesem See, der auch in Reiseführern zu finden ist, wollte Bublath, alleine auf Recherchetour, mit seiner kleinen Digitalkamera filmen. Sein Tagesziel an jenem Samstag lautete: "Einmal den ganzen, mit Bohrtürmen bepflasterten See im Sonnenuntergang aufnehmen. Das ist spektakulär!" Also, so erzählt der TV-Wissenschaftler, "habe ich da so 'rumgefilmt, mitten im Busch." - Unter anderem stieß er auf defekte Leitungen, aus deren Leckagen Öl sickerte ...Was Bublath nun erzählt, entspricht in etwa der klassichen Horrorvorstellung eines jeden fernreisenden Backpack-Touristen: Plötzlich erschien ein Venezuelaner, baute sich vor ihm auf und sagte, dies sei verboten. "Sofort entgegnete ich: 'Warum? Ich bin Tourist. Hier haben Sie meinen Reiseführer, da ist ja auch ein Foto von diesem See drauf." Doch der Venezuelaner blieb hartnäckig und holte Militär herbei: "Es kamen zwei Wagen, mit je zwölf schwer bewaffneten Soldaten", erinnert sich Bublath. "Ich bin nur Tourist!" - Immer wieder habe er das, zunehmend sorgenvoller, gerufen. Doch einer der Soldaten setzte sich mit in Bublaths Mietwagen, und dann ging es im Konvoi in ein abgelegenes Militärcamp, wo sogleich eine "völlig absurde" Befragung begann.
"Gringo!" Der Deutsche, den die Venezuelaner ganz offensichtlich für einen US-Amerikaner mit unlauteren militärischen Absichten hielten, wurde immer wieder mit dem unschönen Wort für Menschen nichtromanischer Herkunft beschimpft. "Da waren richtige Folterknechte dabei. Aber ich wehrte mich natürlich gegen Vorhalte, ich sei ein Spion: 'Soy un alemán! Soy un alemán!" Joachim Bublath, der nach eigener Aussage "mittelmäßig" Spanisch spricht, wurde dann gefragt, ob er auch des Englischen mächtig sei. Seinem "Yes!" entgegneten die Militärs, dass dies für einen Deutschen verdächtig sei. "Dass man das bei uns auf der Schule lernt", das haben ihm seine Kontrahenten wohl nicht abkaufen wollen. Denn nun kam ein Hauptmann herbei, der die Absurdität vollends zum Höhepunkt trieb. Bublath: "Er fragte mich: 'Wer ist der deutsche Bundespräsident?' Ich sagte: 'Köhler'. Er: 'Das stimmt nicht, der Mann heißt Schröder!' Dann sagte ich: 'Dann sind Sie falsch informiert.' Danach fragte er, wie ich denn überhaupt an nur einem Tag von Caracas nach Maracaibo kommen konnte. Ich sagte, mit dem Flugzeug. Aber ich hätte doch einen Wagen dabei ..." Und so, erinnert sich Bublath, der inzwischen darüber schmunzeln kann, ging es noch eine Weile weiter. "Ich finde, das kann man nur zynisch sehen: Die hatten eine so beengte Erkenntniswelt und ein unglaubliches, fast hysterisches Misstrauen. Wahrscheinlich weil sie einfach eine große Angst vor einer amerikanischen Invasion haben."
"Ich fühlte mich wie im falschen Film", sagt Joachim Bublath und spricht von einer "unterschwelligen Bedrohung", die er empfunden habe. Angst um sein Leben habe der Fernsehwissenschaftler, der während des rund dreieinhalbstündigen Verhörs keinen Kontakt zur Außenwelt haben durfte, nicht wirklich gehabt. Obwohl die Verhörmethoden schon eigenartig anmuteten: "Ein Indianer-artiger Soldat fragte mich immer, warum ich ohne Familie reise, ob ich denn Kinder habe und solche Dinge, und er schaute mir dabei so seltsam tief in die Augen. Der wollte nur feststellen, ob ich lüge - wie ein Spion." Als ihm die Soldaten schließlich signalisierten, dass sie seinen Angaben doch Glauben schenken, war die Sache ausgestanden. Oder besser: fast. Denn die Militärs wollten ihm für den Heimweg noch einen bewaffneten "Aufpasser" mitschicken. Nicht mit Joachim Bublath: "Dann hatte ich die Nase endgültig voll, rannte zum Kommandanten und schrie ihn an: 'Bin ich jetzt frei?' Er sagte nur: 'ja." Bublath, der nicht einmal wusste, wo genau er war, setzte sich in den Wagen und raste davon ...
"Ach, es war ein schönes Erlebnis", sagt der TV-Mann jetzt ironisch. Obwohl: Das meint ein Joachim Bublath vielleicht nur halb im Spaß. Denn abenteuerliche Recherchen, versichert das ZDF-Urgestein, seien allemal "besser als Büro oder Studio: So was macht wenigstens Spaß!"
Der unfreiweillige Kurz-Aufenthalt im Militärcamp war indes nicht das einzige Aufregende, was ihm in Venezuela widerfahren ist. "Da gibt es einen Asphaltsee, der liegt ganz isoliert am Orinoco-Delta", hebt Bublath erneut zu einer Geschichte an. Aufnahmen von dort seien bislang noch nicht im TV zu sehen gewesen. Aber weil Joachim Bublath keine Strapaze zu groß ist, wird sich das nun ändern. Zunächst habe ihm sein indianischer Führer gesagt, der Asphaltsee sei per mehrstündiger Jeep-Fahrt zu erreichen. Dann offenbarte ihm derselbe Führer, dass sich noch ein viereinhalbstündiger Fußmarsch anschließe. "Gut, mach' ich', hab' ich gesagt." - Wohl ein Fehler. Denn kaum dem Jeep entstiegen, fing es an zu regnen - "so richtig tropisch". - "Wir waren nach wenigen Minuten alle nass von oben bis unten. Dann wateten wir eineinhalb Stunden durch einen Wassersumpf, in dem wir teilweise bis zur Brust versanken. Immer wieder rief einer: 'Achtung, Alligatoren!' Man rutschte ständig auf unterirdischen Baumstämmen aus und steckte sofort wieder bis zum Hals im Wasser. Am Ende dauerte es eine Weile, bis wir die ganzen Blutegel wieder loshatten." Alles in allem, so Bublath, war dieser Weg - und der Weg zurück wohlgemerkt - "ein richtiger Hammer". Aber weil die Kamera in einer Plastiktüte mitgeführt wurde, seien schließlich "die einzigen Aufnahmen, die von diesem merkwürdigen See aus Erdöl überhaupt je gemacht wurden", entstanden. Zu sehen am Sonntag, 29. Januar, 19.30 Uhr, im ZDF. "Im Reich des Orinoco" ist der erste Teil der neuen Staffel von "Faszination Erde", für die Joachim Bublath auch in Japan und Australien drehte.





